Beijing – Ende der Reise

Ursprüngliches Leben
Ursprüngliches Leben

Jetzt ist es doch tatsächlich soweit – in zwei Tagen fliege ich nach Hause. Ich kann es noch gar nicht glauben! Vor allen Dingen habe ich das Gefühl, dass ich eher 4 Jahre als 4 1/2 Monate unterwegs war. Das

Öffentlicher Fittnessraum
Öffentlicher Fittnessraum

liegt bestimmt an der Unmenge von Eindrücken und Abenteuern, die ich erlebt habe. Immerhin waren es drei große Länder, die ich bereist habe. Davon 8961 km mit der Bahn (das meiste in der dritten Klasse), circa 2.000 km mit dem Bus in der Mongolei und sage und schreibe knapp 2.000 km habe ich mir zu Fuß erlaufen (weiß ich durch mein Garmin Device) – da kommt natürlich etwas zusammen…

Touristenströme entlang der Seen
Touristenströme entlang der Seen

Nun ist an der Zeit für das Abenteuer namens „Alltag“. Ich habe mir schon eine Todo-Liste geschrieben, die ich ab Dienstag dann brav abarbeite. Die spannendsten Fragen, die sich in meinem Leben jetzt stellen: Womit werde ich mein Geld verdienen? Wann kommt Prinz Charming vorbeigeritten? Wie sieht meine echte Haarfarbe aus? Die Antworten

See Qianhai
See Qianhai

werden sicher skurril sein und auf persönliche Anfrage (am liebsten Treffen) natürlich alle beantwortet. Vielen Dank an alle die so herzlichen Anteil genommen haben. Fühlt Euch von mir virtuell gedrückt und ganz bald hoffentlich in echt!!! Über all das Gesülze wollen wir aber nicht Beijing vergessen. Ich war natürlich weiterhin fleißig und hier ein kleiner Ausschnitt meiner letzten Erkundungen. Ich habe

See im Zentrum von Beijing
See im Zentrum von Beijing

übrigens herausgefunden, warum die Chinesen immer so schreien. Während es sonst in allen Städten so laut durch den Verkehr war, ist es hier dank Elektro-Antriebe super leise. Das einzige, was hier Lärm verbreitet sind Zikaden und Menschen. Auch den Smog habe ich Gott sein Dank nicht erlebt. Kleine grüne Oasen sind die sechs Seen neben der Verbotenen Stadt. Noch von den

Bötchen fahren auf den äußeren Seen
Bötchen fahren auf den äußeren Seen

Mongolen angelegt, dienten sie früher dem Vergnügen der kaiserlichen Familie. Bis auf zwei sind alle öffentlich zugänglich, einer kostet Eintritt. An vielen Ecken herrscht das übliche Gewusel, einige sind eher

beschaulich und manchmal hat man das Gefühl im China der Jahrhundertwende (siehe oben) zu sein. Hier habe ich auch mal Fahrradfahren versucht – ist aber nicht zu empfehlen, außer man ist schwer suizidgefährdet. Das Zentrum der Identität von

Der Trommelturm
Der Trommelturm

Beijing ist das frühere kaiserliche Leben. Überall finden sich Zeugen der Zeit, die zentrale kaiserliche

Trommeldemonstration
Trommeldemonstration

Achse ist der Puls der Stadt. Im Trommel- und im Glockenturm wurde durch ein genau definiertes Stakkato von Schlägen die Zeit in die Stadt kommuniziert und damit der Takt vorgegeben. Die Gebäude sind wirklich beeindruckend. In

der riesigen Kultstätte rund um den Himmelsaltar (Wahrzeichen des Tsingtao Biers) versuchte der Herrscher in genau festgelegten Riten unter einem

Halle des Erntegebets
Halle des Erntegebets

gigantischen Einsatz an rituell geschlachteten Tieren, Anbetung mit Hilfe von Tafeln und der Aufführung opulenter sakraler Musik die Götter gnädig zu stimmen. Auf dem Gelände finden sich hierfür

spezielle Aufzuchtstationen, Schlachtereien ect. Besonder beeindruckt hat mich die riesige Schule für

Halle der sakralen Musik
Halle der sakralen Musik

die sakrale Musik, eine sehr große und schöne Anlage. Dagegen wirkt der

Patrizierpalast des Prinzen Gong fast ärmlich.

Gigantische Dimensionen haben wieder die Ming-Grabanlagen im Norden der Stadt. Ein Seelenweg führt mit 18 Paaren von Wächtern an die 13 Gräber heran. Ähnlich der

Der Seelenweg mit 18 Tier- und Menschenpaaren
Der Seelenweg mit 18 Tier- und Menschenpaaren

Verbotenen Stadt stehen jeweils in einer Achse Tore, Pavillions und Gebäude in denen der verstorbene

Opfergaben vor dem Eingang
Opfergaben vor dem Eingang

Kaiser die Gäste empfängt. Nur drei Grabanlagen sind frei zugänglich und nur die Grabkammer des Kaisers Wanli wurde geöffnet. Hier ruht er 27m tief mit seinem Gefolge in fünf Hallen. Die Grabbeigaben waren in 20 Kisten gelagert und können im Museum betrachtet werden. Dagegen wirkt das Mausoleum von Mao fast lächerlich. Hier liegt er wie Schneewittchen in einem schmucklosen Raum mit

seltsam leuchtendem Gesicht, während andächtig die Massen vorbeidefilieren. Natürlich ist fotografieren, nach zwei Stunden anstehen und fünf Sicherheitschecks, bei Todesstrafe verboten. Dafür hatte ich mal wieder ausgiebig Gelegenheit die Anstehkultur zu genießen: 4x Schirm im Gesicht, 13x in die Hacken treten, 22x Schubsen. Zum Schluß möchte ich mich dem Übersinnlichen und dem Profanen zuwenden. Im Tempel der Weißen Wolken

Zugang zum Tempel der weißen Wolken
Zugang zum Tempel der weißen Wolken

kann man dass Pantheon der taoistischen Götter kennenlernen. Ursprünglich eine philosophische

Rauchopfer vor dem Tempel
Rauchopfer vor dem Tempel

Schule basierend auf einem Buch von Laotse mauserte es sich über die Jahrhunderte durch Vereinigung von traditionellen chinesischen Traditionen, buddhistischen und konfuzianischen Vorstellungen zur einzigen einheimischen Religion Chinas.

Tai-Chi: Symbol der Taoisten
Tai-Chi: Symbol der Taoisten

Rauchschwaden von Räucherstäbchen tragen die Gebete zum Himmel. Ähnlich den christlichen Heiligen gibt es einen Gott für jeden Anlass und Gelegenheit – nur dass sie alle asiatisch aussehen und Männer sind. Frauen habe ich vergebens gesucht. Nur einen

Steinwurf entfernt steht im Schatten eines grotesk hässlichen Elektrizitätswerkes das älteste Gebäude

Die Pagode der himmlischen Ruhe
Die Pagode der himmlischen Ruhe

von Beijing: die Pagode des Tempels der Himmlischen Ruhe. Der Lärm des Industriemolochs sorgt jedoch nicht gerade für besinnliche Ruhe. Der Kontrast zwischen dem historischen Alten und degeneriertem Neuen könnte nicht krasser sein und ist für mich das Symbol für Beijing schlechthin.

DAS Sinnbild
DAS Sinnbild

Beijing – km 8961

"Mein Hutong"
„Mein Hutong“

Das Ende meiner Reise ist nah! Mit Freude und Bangen sehne ich den Tag herbei, an dem ich wieder nach Hause fliege. Unendlich freue ich mich auf meine Familie und meine Freunde, auf das vertraute Leben. Doch lauert auch die Sorge um meine finanzielle Situation und die Mühsaal des Alltagstrotts in einer dunklen Ecke und grient mich boshaft an. Doch noch ist es nicht soweit, noch versuche ich mal wieder so viel wie möglich von Beijing zu erleben!!!!

Der Hutong zum Hotel
Der Hutong zum Hotel

Der Anfang hat es mir nicht gerade leicht gemacht. Am Bahnhof wollten schon die offiziellen Taxis das Fünffache des regulären Preises. Nach endlosem Feilschen bin ich mit einem älteren Herren mit und landetet – auf einem Autoscooter: Mein riesen Gepäck quer vor seinen Füßen und ich hinter ihm. Dann ist er gegen die Fahrtrichtung, quer über die Kreuzung, los. Ich sah schon alle 10 Sekunden mein Gehirn auf der Straße. Nach der Hälfte des Weges fing es dann so an zu schütten, daß ich dachte, es spült uns in den Gully. Völlig durchnäßt, aber lebendig, kam ich im traditionellen Wohnhof-Hotel mitten im Hutong an.

Mein kleines Haus
Mein kleines Haus

Da ging der Spaß von vorne los! Jetzt habe ich ein kleines Häuschen mit tollem Ambiente und sitze davor in einem kleinen Innenhof. Gott sei dank gibt es eine Klimaanlage, die Temperatur liegt um die 30 Grad und ich bin jeden Tag völlig durchnäßt. Das macht besonders Spaß, wenn halb China mit einem die Sehenswürdigkeiten

Kaiserdisziplin: Drängeln
Kaiserdisziplin: Drängeln

besucht. Sicher gibt es auch ausländische Touristen, aber die fallen in den ameisen-artigen Massen kaum auf, auch bewegen die sich kaum weg von den Standard-sehenswürdigkeiten. Anstehen und drängeln zu jeder Gelegenheit – das ist das chinesische Motto. Dank vielen Gepäckkontrollen (an einem Tag 7x) und wechselnder Wegführung gibt es dafür immer wieder Möglichkeiten. Am ersten Tag wollte ich gemütlich ich den Zoo – hahaha – mit mir halb Beijing. Schreiende Kinder, kreischende

Früh übt sich.
Früh übt sich.

Erwachsene, die andauernd gegen alle Scheiben hämmern müssen. Das Beste war der Nachtzoo: In völliger Dunkelheit (kein Speziallicht oder so) lief man an den Tierkäfigen vorbei. Die findigen Chinesen haben daraufhin die Taschenlampen ihrer Handys

Gestörter Panda
Gestörter Panda

angestellt und den Tieren fett in die Augen geleuchtet – ein Traum. Selbst die Pandas lagen nur apathisch in der Ecke und sahen ziemlich verwahrlost aus. Das Aquarium ist aber auf dem neuesten Stand. Befremdlich ist nur der riesige Ballermann-bereich im Zentrum der Anlage. Am

Partymeile im Aquarium
Partymeile im Aquarium

nächsten Tag wollte ich dann gemütlich um 11 Uhr in die Verbotene Stadt – Pustekuchen! Da waren alle 80.000 Tickets bereits ausverkauft. Am folgenden Tag

Der Eingang zur Verbotenen Stadt
Der Eingang zur Verbotenen Stadt

war ich dann pünktlich um 8 Uhr da und habe mir 5 1/2 Stunden ca. 60 Highlights angeschaut (16km). Vor dem Himmelsthron war wieder Hauen und Stechen angesagt. Bei allem Streß ist die Verboteten Stadt einfach einmalig und man kann sich garnicht satt sehen. Am Abend habe ich mir gleich „Der letzte

Menschenmassen
Menschenmassen

Kaiser“ angesehen und habe ALLES wiedererkannt – ein Traum. Ein Traum ist auch das Essen: in meinem

Joghurt als Magenmedizin
Joghurt als Magenmedizin

Hutong steht eine Freßbude nach der anderen (wie eigentlich in ganz Beijing) und ich stopfe einfach alles in mich rein – nicht immer weiß ich was… Kein Traum ist die Internetverbindung im Hotel und die Sperrung diverser Dienste. Alle Google-

Kleine Geschäfte im Hutong
Kleine Geschäfte im Hutong

Dienste gehen nicht, viele Seiten, selbst der Airlines, sind gesperrt, auch Dropbox. Das heißt, ich schleppe gerade das IPad überall hin mit, um ein paar Bilder zu machen (das Hochladen ist ein Graus). Daher eine schlechte und geringe Bebilderung in China – sorry!

Die nächste Traumerfüllung hieß: chinesische Mauer. Ich bin zu einem entfernteren Stück um dort 3 1/3 Stunden auf 6km zu laufen – ich dachte noch, das ist bestimmt für Omis. Nix da, in der Mittagshitze ohne

DIE Mauer
DIE Mauer

Wolken, hoch und runter, wir (eine Holländerin und ich) haben es gerade noch rechtzeitig zum Bus geschafft. Es war aber alle Mühe wert: was für eine Aussicht, was für ein Bauwerk. Eigentlich ist alles sehr beeindruckend! Der Volkskongress, die große Bühne für alle politischen Ankündigungen, wie man

Der Volkskongress
Der Volkskongress

sie sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Das gigantische Nationalmuseum: nur für die fantastische

Gigantische Dimensionen
Gigantische Dimensionen

Ausstellung zum alten China habe ich 3 Stunden gebraucht. Die Ausstellung zum Aufbruch in die neue Zeit ist typische unreflektierte Propaganda. Auch der Konfuziustempel hat einen ganz besonderen Charme.

Konfuziustempel
Konfuziustempel

Direkt daneben ist die kaiserliche Akademie für Beamte, in der diese seit 900 n.C. zuerste eine lange

Übungsstunde beim Meister
Übungsstunde beim Meister

Ausbildung mit Abschlussprüfung ablegen mußten. Eine besondere Herausforderung war die Anreise zum Ausgrabungsort des Peking-Menschen, 50km südlich von Beijing mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Hier wurden 40 Hominden entdeckt.

Höhle des Peking Menschen
Höhle des Peking Menschen

Die Höhlen kann man sehr gut sehen. Besonders habe ich mich auf das interaktive Museum gefreut. Interaktiv auf Chinesisch bedeutet jedoch: Gaming! Man konnte in diversen Spielen z.B. Urmenschen Steine auf Hyänen werfen lassen oder Fische fangen. Dafür

3D-Film ohne 3D-Brille
3D-Film ohne 3D-Brille

fehlen jegliche Fundstücke – ein echter Kultur-schock. Neben allen unglaublich reichen historischen Sehenswürdigkeiten bietet Beijing auch

Eingang zum Grabungsgelände
Eingang zum Grabungsgelände

einmaliges modernes Design. Das CCTV Gebäude von Rem Koolhaas ist genial. Daneben wird eifrig gebaut.

CCTV von Rem Koolhaas
CCTV von Rem Koolhaas

Die Hochhäuser drum herum wirken eher lieblos zusammengewürfelt, mit Shanghai kann Beijing hier nicht wirklich mithalten. Überhaupt sind die ganzen Shoppingmalls ziemlich langweilig und irgendwie alle lieblos. Nächsten Designhighlight ist natürlich das

Vogelperspektive
Vogelperspektive

olympische Stadion. Was für ein absolut geniales

Vogelnest
Vogelnest

Design – ich konnte mich garnicht satt sehen an der inneren und äußere Struktur!

 

Ulaanbaatar – Abschied auf Raten

Nach der Pedicure
Nach der Pedicure

Nach unserem fantastischen, gleichzeitig aufreiben-dem Trip haben wir uns noch zu dritt für ein paar

Jubel: Kamm für umme
Jubel: Kamm für umme

Tage ins beste Hotel der Stadt „Tuushin Best Western“ einquartiert – einem Sonderpreis über unseren Veranstalter sei dank. Man glaubt garnicht wie glücklich ein weiches Bett, ein schickes Badezimmer und eine Klimaanlage machen können. Der Blick vom 16’ten Stock über die Stadt einfach atemberaubend. Bei 36 Grad im Schatten alles eine echte Erleichterung. Der Plan war also den Spa-Bereich voll und ganz auszunutzen: Ich

Blick aus dem Fenster
Blick aus dem Fenster

habe mir meine erste Pedicure und eine Manicure gegönnt, die Mädchen noch diverse Massagen. Daneben haben wir in sehr dosierter Form ein bißchen Sightseeing betrieben, immer unterbrochen von

IMAX in der neuen Shangri-La Mall
IMAX in der neuen Shangri-La Mall

Aufenthalten in klimatisierten Cafés. Agustina und ich haben uns im gerade eröffneten IMAX den neuesten Star Trek Blockbuster gegönnt: Hammer! Wie mittendrin, noch Stunden später waren wir halbtaub. Einmal sind wir auch wie die Esel zum entfernten Schwarzmarkt „Narantuul“ gekrochen. Grit und ich

Die knappen Ringer Outfits
Die knappen Ringer Outfits

haben bei segender Hitze für 15 € eine „echte“ zusammenfaltbare Daunenjacke gekauft. Highlight

Klosterschülerin und Spacken mit Wurst
Klosterschülerin und Spacken mit Wurst

war der Besuch des hiesigen Vergnü-gungsparks. Neben fast ungenießbaren deutschen Brat-würsten gibt es dort deutsche Cocktails in Flaschen und ein recht überschaubares Angebot an Fahr-geschäften. Alles strahlte einen leicht verblichenen Charme

aus. Danach sind wir noch zum Suchbataar-Platz, auf dem sich bei völliger Dunkelheit eine Gewusel an

Das Schaukel-Dings
Das Schaukel-Dings

Menschen mit leuchtenden Kinderautos, Skateboards, Fahrrädern und Schaukel-gefährten vergnügte. Diese Schaukelgefährte sind super spaßig. Die Fahrt auf dem Tridem entpuppte sich als Tour de Force, da jede Minute Kinder

Suchbataar Platz bei Nacht
Suchbataar Platz bei Nacht

unkontrolliert von allen Seiten auftauchten. Nach dem Abflug der letzten Freundinnen, bin ich dann in meine

Luxusanlage im Herzen der Stadt
Luxusanlage im Herzen der Stadt

kleine herunter-gekommen Zweizimmer-wohnung: Ohne Klima, aber mit warmen Wasser und

sogar einer Kaltwasserwaschmaschine. Zentral an der Peace Avenue gelegen, wurde das bekannte State Department Store mein neuer Lebensmittelpunkt.

State Department Store
State Department Store

Einen Tag habe ich den Depri geschoben und danach wieder ein wenig die letzten Reste der Stadt erkundet. Aktuellste Traumerfüllung war noch ein Tagestrip in

Der Toyota war mein Auto.
Der Toyota war mein Auto.

den Hustei-Nationalpark – berühmt für seine Takhi Pferde: einziges Wildpferd und Urahn aller heutigen Rassen. Die Landschaft an sich wirkt recht öde, bis auf ein paar Geier und viele fette Murmeltiere ist nicht

Wo sind nur die ganzen Tiere?
Wo sind nur die ganzen Tiere?

viel zu sehen. Als wir ein Takhi in den Bergen erspäht hatten, bin ich kurzerhand ausgestiegen und ihm

entgegengelaufen. Es hat mich die ganze Zeit beobachtet, sich aber nicht gerührt, bis ich auf einem gegenüberliegenden Hügel auf Augenhöhe ca. 100m entfernt war. Auf dem Hügel links tauchte noch eine Gruppe Hirsche auf, die sich langsam zum Kamm bewegte. Auf dem Kamm schienen ihre Geweihe

Hirschstein
Hirschstein

direkt in den Himmel zu reichen und ich begriff, warum der Hirsch in der Mythologie der Bronzezeit eine Mittler zwischen den Welten ist. Die Fotos sind natürlich wieder alle auf der Sony…

90 t schwer / 26,5 m hoch
90 t schwer / 26,5 m hoch

Hier die wenigen kulturellen Sehenswürdigkeiten. Da die Russen fast alle Klöster geschleift hatten, sind die wenigen unversehrten Klöster besonders wichtig für die nationale Identität. Das Gandan Kloster ist das größte und bedeutendste Kloster des Landes. Im Choijn Lama Museum kam der Lama vor allem seiner Aufgabe als Wahrsager nach, was vorher

Choijn Lama Museum
Choijn Lama Museum

die Rolle der Schamanen gewesen war. Im Zanabazar Museum wird die Kulturgeschichte von der Anfängen der Menschheit bis heute dargestellt.

Die Soyombo Schrift: Entwickelt vom Nachfahren Dschingis Khans
Die Soyombo Schrift: Entwickelt vom Nachfahren Dschingis Khans

Die Tumen Ekh Show bietet einen Überblick über die musikalischen Besonderheiten der Mongolei: Kehlkopfgesang, Tsam-Tänze und Pferdekopfgeige. Besonders der Kehlkopfgesang hatte es mir angetan –

Tsam Tanz
Tsam Tanz

andere sind immer wieder eingeschlafen. Morgen geht

Der Bahnhof
Der Bahnhof

es weiter nach Beijing: wieder 35 Grad, aber immerhin mit Klimaanlage.

 

Mongolei – Unendliche Weiten

Die große Einsamkeit
Die große Einsamkeit

Der zweiwöchige Ausflug in die Zentralmongolei und in den Süden hat alle meine Träume erfüllt und mehr.

Die "Straßen" von Irgendwo nach Nirgendwo
Die „Straßen“ von Irgendwo nach Nirgendwo

Obwohl wir in dieser Zeit 2.000 km zurückgelegt haben, konnten wir nur einen kleinen Ausschnitt der Mongolei sehen. Doch selbst in diesem Ausschnitt konnten wir eine unglaubliche Vielzahl an Landschaften bewundern: Wüsten, Steppen, Taiga, Gebirge, Wälder, Hochebenen, Auen – mit majestätischen Sanddünen, Wasserfällen, Schluchten, Täler, Klippen, vulkanischen Feldern, Wiesen. Erstaunlich waren besonders die alpinen

Hochgebirgsregionen, da man sich sofort in die Alpen versetzt fühlte mit identischer Flora und Fauna, nur dass hier Felder voller Edelweiße blühen. Die

Im UAZ geht nur Reißverschlussprinzip...
Im UAZ geht nur Reißverschlussprinzip…

mühsamen Fahrten über unbefestigte Trampelpfade waren zwar schweiß-raubend durch ununterbrochenes Geruckel und Hitze, doch immer wieder spannend und interessant. Entweder haben wir enge

Frugale Mittagspause mit wenig Schatten
Frugale Mittagspause mit wenig Schatten

Schluchten auf den Zentimeter genau durchquert, sind senkrecht oder waagerecht Geröllfelder hochgekrochen, Flüsse durchfahren, sind selbst stecken geblieben oder haben andere beobachtet, wie ihr Auto voller Wasser lief. Unser UAZ hatte zwar

keinerlei Komfort, hat uns aber dafür auch nie im Stich gelassen. Unsere zwei findigen Ingenieure im Team haben für praktische Lösungen gesorgt, die uns das Leben etwas erleichtert haben. Neben diesem Paris/Dakar-Feeling gab es natürlich während den

Kamelherde vor der Singenden Düne
Kamelherde vor der Singenden Düne

langen Fahrten auch eine Unmenge der erstaun-lichsten Landschaften und Tiere zu beobachten. Erstmal gibt es überall nur die grenzenlose Weite,

Der Ort Mandalgobi
Der Ort Mandalgobi

in der ab und zu mal ein Ger (mongolische Jurte) auftaucht. Die „Städte“ sind äußerst selten und verdienen kaum den Namen und erinnern eher an den wilden Westen. Je nach Landschaft grasen über die Weiten die Herden der Nomaden. Völlig auf sich allein gestellt müssen sie sich selbst versorgen, nur abends werden sie entweder

Yakherde
Yakherde

mit Pferden oder vermehrt auch mit dem Motorad zum Ger getrieben und gemolken.

Die Herden bestehen immer aus Pferden, Schafen und Kaschmirziegen. Im Süden kommen die baktrischen Kamele hinzu und im Zentrum Yaks. Im Sommer

Abtrieb der Herde in 90km entfernte Ger

ernähren sich die Nomaden überwiegend von Milch-produkten in den ungewöhnlichsten Formen. Das meiste ist für uns eher ungenießbar und schmeckt wohl erst, wenn man so ein Jahr vor Ort lebt. Sehr lecker war eine Art Clotted Cream und am besten hat mir die Yakmilsch gemundet. Im Winter wird geschlachtet, wobei meistens Hammel oder Ziege

auf den Tisch kommen. Da der Hammelgeschmack sehr streng ist und mit viel Fett, ist auch dies eher gewöhnungsbedürftig. Da wir die meiste Zeit bei

Nobel-Ger mit Fladenbefeuerung
Nobel-Ger mit Fladenbefeuerung

Familien im Gäste-Ger unterge-bracht waren, konnten wir alles hautnah erleben. Neben dem „normalen“ Essen haben wir noch irgendeine Form von Gemüse oder mal eine Mandarine bekommen – wegen der kulinarischen Genüsse muss man sicher nicht in die

Mongolei fahren. Ein Highlight für mich war, als wir bei der Schlachtung eines Schafes zusehen konnten. Das ist Männersache und für gebärfähige Frauen verboten. Der „Leise Tod“ ist wirklich absolut geräuschlos, blutlos und ganz friedlich. Das Schaf hat nicht einmal gezuckt oder geblöckt, als ihm der Körper aufgeschnitten wurde, der Mann das Herz in seine Hand nahm und noch dreimal gepumpt hat. Das ganze spielte sich nur zwei Meter vom Eingang des Hauptgers ab. Nachdem das Tier tot war, guckten auch die kleinen Kinder bei der Verarbeitung zu und die Frauen wuschen das Geschirr. Leider habe ich die Bilder alle mit meiner guten Kamera aufgenommen.

5cm große Heimchen
5cm große Heimchen

Überhaupt sind alle Bilder der Wildtiere auf der Sony, daher zeigen die Bilder nur einen kleinen Teil dessen, was wir gesehen und erlebt haben. Neben den unterschiedlichsten Landschaften haben wir – bis auf Schnee – auch alle Wetterextreme durchgemacht. In der Mittagshitze der Wüste ist es in den Zelten sehr heiß und man sehnt den Abend herbei. Durch das Umschlagen des Filzes in Bodennähe entsteht etwas Durchzug. Einmal wurden wir bei einer Wanderung von einem schweren

Hagelsturm überrascht und sind wie die Kannickel in ein fremdes Ger geflüchtet. Man hat uns freundlich aufgenommen und wir saßen dann im Dunkeln im Ger, während von unten das Wasser reinlief. „Zuhause“ haben wir dann alles auf die Betten geworfen und es zog wie Hechtsuppe. Netterweise haben unsere Gastgeber den Ofen mit Holz befeuert. Leider immer mit einer großen Menge, so dass es in kürzester Zeit wie in der Sauna war, aber das Holz nicht über die Nacht gereicht hat. Ich habe zwar im Schlafsack nicht gefroren, doch gefröstelt und gerade

Doppelter Regenbogen
Doppelter Regenbogen nach Unwetter

am Morgen war es ziemlich unangenehm. Während wir beim Unwetter in Zelt drängten und durch die Tür nach draußen äugten, trieb die Gastfamilie stoisch die

Hirte
Hirte

Tiere zusammen. Besonders beeindruckt hat mich ein ca. 2 1/2 – jährige Junge, der nur mit einem Leibchen bekleidet bis in die Nacht klitschnass durch die Pfützen sprang – jedes deutsche Kind während danach an einer Lungenentzündung gestorben. Überhaupt fällt die zurückhaltende Art der Mongolen auf. Ob es sich hierbei um Ausgeglichenheit, Phlegma oder Ignoranz handelt, ist schwer zu sagen –

Pferdeherde beim Ger
Pferdeherde beim Ger

wahrschein-lich eine gute Kombination aus allem. Das Leben der Mongolen und ihrer Tiere ist hart. Die Mongolei ist ein Entwicklungsland und noch immer ist die

Kamelherde am Ger
Kamelherde am Ger

Kindersterb-lichkeit und die Analpha-betenquote hoch. Erstaunt haben mich die sanitären Anlagen: Eine umgedrehte Flasche zum Zähneputzen ist alles. Die Plumpsklos gehören für mich zum Widerlichsten was ich bisher erlebt habe – meistens sind wir einfach in

Badezimmer in der Natur
Badezimmer in der Natur

die Natur entwichen. Neben der einnehmenden Landschaft fällt auf, dass alle Nomaden dieselben Tiere haben, die in großen Herden das Land bevölkern. Züchter bekommen Urkunden für die Erhöhung des Viehbestandes, dabei ist das Land bereits von

Jeder hat einen Baum gepflanzt.
Jeder hat einen Baum gepflanzt.

Desertifikation bedroht und die vielen Hufe zerstören die oberste Vegetationsdecke und die Überweidung gibt der Landschaft den Rest. Der Holzbedarf im Winter ist enorm, doch nirgendwo wird wieder aufgeforstet, noch gibt es Ansätze zur

Tradition und Moderne
Tradition und Moderne

nachhaltigen Nutzung. Bis auf die Solarpanel, die für Strom und Unterhaltung sorgen und die motorisierten Untersätze sehe ich wenig Zukunfts-weisendes und ich kann mir kaum vorstellen, dass dieses Leben so weiterbestehen kann. Wie in Griechenland und Italien fragt man sich, wie dieses Land einmal das größte Weltreich der Menschheitsgeschichte erschaffen konnte. Eine kleine Antwort bekommt man

Naadam in großer Kulisse
Naadam in großer Kulisse

auf den lokalen Naadams. Ich hatte zwar schon das große Naadam in Ulaanbator gesehen, doch die lokalen geben einen viel besseren Eindruck in die Gepflogenheiten. Jeder engagiert sich hier mit

Tanz- oder Musikeinlagen oder gespendetem Essen. Honoratioren richten die Spiele aus. Jungs im Alter bis 9 Jahre galoppieren spielend die 12km im Wettrennen und reiten lachend ins Ziel, wo der Sieger neben der Ehre einen Fernseher oder eine Motorrad bekommt. Die Männer des Umgebung können sich unter den Rufen ihrer Nachbarn mit den professionellen

Orkhon Wasserfall
Orkhon Wasserfall

Ringern messen. Hier sieht man viel nacktes, muskelbepacktes Fleisch und die Schrecken des Hunnensturms scheinen möglich. Zu einem Naadam sind wir vom Orkhon Wasserfall mit den Pferden durch Flüsse und über Ebenen geritten. Auf dem Rückweg hatten alle anderen die Faxen dicke und ich

bin allein mit unserer Führerin und einem aus der Gastfamilie zurück mit den Pferden. Ich hatte etwas Fracksausen, da ich das letzte Mal als Teenager geritten bin. Die beiden Mongolen waren schnell weit weg und ich bin mit meinem Pferdchen über die Weiten getrabt. Die unbeschlagenen Pferde haben sogar ein Geröllfeld überquert. Zwischendurch habe ich meinen widerspenstigen Gefährten dazu gebracht, mit mir im Galopp über die Landschaft zu preschen – ich, wie die Mongolen, im Sattel stehend. Das ist eine der schönsten Erinnerungen für mich, verbunden mit

Zeremonie auf dem Hügel
Zeremonie auf dem Hügel

dem Gefühl der Freiheit. Vor dem Naadam durften wir noch an einer schamanischen Zermonie auf einem Hügel teil-nehmen, auch ein besonderer Moment. Neben den

Schamanische Zeremonie am Ovo
Schamanische Zeremonie am Ovo

Nutztieren haben wir diverse Greifvögel, Geier, Kraniche, Ziesel, Wühlmäuse, Gazellen, Wildziegen,

Füchse, Agamen, Eidechsen und Mutantenheimchen gesehen. Neben der Landschaft und dem Leben der Nomaden haben wir natürlich auch ein paar kulturelle Sehenswürdigkeiten besichtigt. Mich haben dabei

Aufstieg zu den Petroglyphen von Khavtsgait
Aufstieg zu den Petroglyphen von Khavtsgait

besonders die Petroglyphen, die Hünengräber aus der

Hünengräber
Hünengräber

Bronzezeit und die flammenden Klippen von Byanzag begeistert. Hier wurden neben vielen anderen Dinosauerierrelikten die ersten Nester gefunden.

Die Heimat der Dinosauriereier!
Die Heimat der Dinosauriereier!

Abschluss und Traum meiner Kindheit: Kharakorum – die Hauptstadt des Mongolenreiches. Leider ist bis auf

Die Schildkröte mit dem Weltenberg auf dem Rücken
Die Schildkröte mit dem Weltenberg auf dem Rücken

ein paar Steinschildkröten und Grundsteinen kaum etwas erhalten geblieben. Die meisten Steine wurden im angrenzenden Kloster Erdene Zuu verbaut. Die

Tempel im tibetischen Stil
Tempel im tibetischen Stil

Ergebnisse des Ausgrabungen können in einem nahen Museum besichtigt werden.

Das mongolische Erfolgsrezept: Der Kompositbogen
Das mongolische Erfolgsrezept: Der Kompositbogen

Wenn man bereit ist, für einige Zeit auf Komfort und gutes Essen zu verzichten, ist die Mongolei auf jeden Fall eine Reise wert und kaum ein Mensch wird nicht mit neuen Erfahrungen und berüht nach Hause fahren. Für mich war

Traditionelles Spiel aus Fußknochen des Schafs
Traditionelles Spiel aus Fußknochen des Schafs

besonders schön, dass nach den Monaten der Einsamkeit zwei Freundinnen den Trip mit mir unter-nommen haben. Noch eine befreundete Arbeitskollegin ist dazugestossen und schwupp, waren wir eine Gruppe aus vier

Kamelritt
Kamelritt

Frauen in ungefähr demselben Alter, gleichen Hintergrund und der typisch deutschen perfekten

Nach erfolgreicher Besteigung!
Nach erfolgreicher Besteigung!

Ausstattung. In der ersten Woche begleitete uns noch Ming-Shan, eine junge Frau aus Taiwan. Nicht in der Form auf die Anforderungen eines solchen Trips vorbeitet wie wir, aber sehr nett. War bestimmt nicht immer sehr einfach für sie mit pausenlos deutschquatschenden

Garuda-Tanz zum Eis in der Gobi.
Garuda-Tanz zum Eis in der Gobi.

Weibern, dafür haben wir sie mit Müsliriegeln und Shampoo über Wasser gehalten. Außerdem hatten nur wir Geschenke für die Familien dabei. Auch nach ihrer

Abreise blieb die Gruppendynamik stabil. So schön es mit Freunden ist: 7 Tage die Woche, 24 Stunden in ungewohnten Situationen können anstrengend sein.

Doch wir haben alle Klippen umschifft – zumindest reden wir noch miteinander :-). Als ich nach einem Softeis (blöde Idee) mir unter einer wunderbaren Milchstraße die Seele aus dem Leib in die Botanik gekotzt habe, wäre ich am liebsten allein vor einer schönen weißen Toilette gelegen. Das ging Gott sein Dank vorbei!

Geschafft! 200m hoch auf dem Kamm der Düne
Geschafft! 200m hoch auf dem Kamm der Düne

Hier noch einmal Bilder, die irgendwie thematisch nicht reingepaßt haben, aber trotzdem schön sind:

Ulaanbaatar – km 6266

Staatsempfang mit Reiterei
Staatsempfang mit Reiterei

Die Hauptstadt Ulaanbaatar (Roter Held) ist eine sehr junge Stadt im Übergang und voller Widersprüche. Von den Einheimischen liebevoll UB genannt, lebt mit

Ger auf Dach
Ger auf Dach

1 Mio. Menschen ein Drittel der Bevölkerung in ihr. Während die Innenstadt von Hochäusern dominiert wird, finden sich in den Außenbezirken noch sehr viele Jurten – manchmal sogar auf dem Dach. Nur eine Dreiviertelstunde zu Fuß von der Innenstadt entfernt ist es schon wieder sehr ländlich. Überhaupt ist UB überschaubar und wenig

Hinterland vom Zaisan Denkmal
Hinterland vom Zaisan Denkmal

großstädt-isch. Das Stadtbild hat keinen einheitlichen Stil und wirkt eher lieblos und konfus durcheinandergebaut, an vielen Ecken und Enden

Der rote Held
Der rote Held

bröselt es bereits. Der zentale Suchbaatar-Platz mit einem imposanten Dschingis Khan zeugt vom Sowjetstil der befreundeten Nation, der auch ein Ehrenmal am Aussichtspunkt geweiht wurde. In meinen ersten Tagen gab es zwei große Ereignisse:

Der ASEM Gipfel (zu dem auch Merkel angereist ist) und das Naadam Festival. Wegen des Gipfels waren

Japans Premier Abe
Japans Premier Abe

alle naselang die Hauptstra-ßen gesperrt und die Limo-sinen rasten mit Blaulicht vorbei. Durch Zufall konnte ich miterleben als Premier-minister Abe vor dem Parlament begrüßt wurde. Die Reiterei wirkt aus der Zeit gefallen, sie sieht genauso aus, wie zur Zeit des Mongolensturms. Die meisten Mongolen tragen in der Stadt

Die Garde
Die Garde

moderne Kleidung, die aber aufgesetzt wirkt. Während des Naadam Festivals kommen viele in der traditionellen Kleidung, die komischerweise auf mich auch wie eine Verkleidung gewirkt hat. Beim Naadam wird im Reiten, Ringen und Bogenschießen seit Urzeiten einmal im Jahr gegeneinander angetreten.

Die Bogenschützen
Die Bogenschützen
Die Sieger im Ringen
Die Sieger im Ringen

Die Sieger erfreuen sich der höchsten Wertschä-tzung. Wie bei einer Kirmes gibt es drum herum die unterschiedlichsten Stände mit den Leibspeisen der

Kraftprobe
Kraftprobe

Mongolen – Hammel und Airag. Daneben konnte ich eine interessanten Variante von „Hau den Lukas“ beobachten: Bewegungslos muss der Mann so lange wie möglich an der Stange hängen.

Die Mongolei ist für seine Dinosaurierfunde berühmt und ein Dinausaurier ist auch nach UB benannt -Tarbosaurus Baatar. Leider war das Dinomuseum unterirdisch schlecht und ich habe mich mit einem Kinobesuch getröstet. Da es nur OV mit Untertiteln gibt, ein sehr angenehmes Erlebnis.

Nicht weit vom Zentrum liegt der ehemalige Winterpalast des Bogd Khan – des theokratischen Führers aus Tibet. Das Geheiligte Tor gilt als Symbol für die Befreiung von China und wurde ohne einen einzigen Nagel von 1912 bis 1919 gebaut.

Triumphbogen
Triumphbogen
Edelweiß
Edelweiß

Nicht weit von UB liegt der Tereldsh-Nationalpark. Es ist leicht zu erkennen, warum er die mongolische Schweiz genannt wird: Es gibt sogar Edelweiß! Neben einem riesigen Schildkröenfelsen kann noch ein Lamamuseum erklommen

Die mongolische Schweiz
Die mongolische Schweiz

werden. Spannend wurde es, als wir auf dem Weg zu der Nomadenfamilie einen Fluss überqueren mussten.

Mitten im Fluss
Mitten im Fluss

Der Fahrer wollte da eigentlich nicht durch, aber ich habe auf stur gestellt und dann hat uns ein großer Lastwagen rübergezogen. Auf dem Rückweg sind wir natürlich prompt steckengeblieben und der Motor soff ab. Das eindringende Wasser habe ich mit dem Mülleimer aus dem Fenster gekippt. Mein Insestieren

Mein Mittagessen
Mein Mittagessen

wurde von der Gastfamilie als gutes Omen gewertet, denn gerade war der neue Wodka auf Milchbasis (ca. 12%) fertig. Das Essen war immerhin schon tot und vor 3 Stunden geschlachtet worden. Trotz der archaischen Lebensweise, ist auch hier die Moderne eingezogen. Die Menschen waren ausge-sprochen nett und das Essen sehr lecker.

Mensch auf Pferdekopf
Mensch auf Pferdekopf

Zum Schluss haben wir noch das größte Reiterdenkmal der Welt besichtig, natürlich: Dschingis Khan mitsamt seiner Reiterstandarte. An der Hand sieht man sehr schön die megalomanen Dimensionen. Wir Deutschen können auch sehr furchteinflößend sein 🙂 Zum Schluß noch zwei Impressionen aus der mongolischen Schweiz.

Wie im Bilderbuch
Wie im Bilderbuch
Die große Weite
Die große Weite

Ulan-Ude – km 5609

Lenin mit Flaggen
Lenin mit Flaggen

Ulan-Ude („Rotes Tor“) ist die Hauptstadt der Republik Burjatien. Die Burjaten – ein mit den Mongolen verwandtes Volk – stellen trotz der Russifizierungserfolge noch 30% der Bevölkerung und sind damit der erkennbarste Unterschied zu allen

Gründungsort
Gründungsort

bisherigen Städten Russlands. In der Geschichte und im Stadtbild kommt einem irgendwie alles bekannt vor. Von den Kosaken auf einem Hügel mit Sicht auf die Ebene als Winterlager

gegründet, ein Triumphbogen zum Zarenbesuch von 1891!!!!, Leninstraße, verfallene Holzhäuser und der Zentralmarkt. Alte Markthallen kündigen von ehemaliger wirtschaftlicher Größe. Ein modernes

Einkaufszentrum sucht man mal wieder so vergeblich wie eine ansprechende Uferpromenade an der Selenga.

Am Sowjetplatz sprengt ein 5m hoher Leninkopf alle Dimensionen und erinnert unfreiwillig an mongolische Traditionen – die Köpfe der Feinde

Der mongolische Reiter
Der mongolische Reiter

wurden schon früher öffentlich zur Schau gestellt. Im Hintergrund sieht man neben der russischen die burjatische Flagge: Blau/Himmel, Weiß/Reinheit, Gelb/Sonne + Sonne, Mond, Sterne. Die gesamte Sowjetkultur wirkte auf mich aufgesetzt. Man hat

Der Sowjet-Platz
Der Sowjet-Platz

eigentlich wenig das Gefühl in Russland zu sein und wundert sich immer wieder über die russischen Insignien der Macht wie rote Sterne, Panzer, ewige Flamme ect. Im Zentrum stehen zwar

Hodigitreja-Kathedrale
Hodigitreja-Kathedrale

ein paar Kirchen, die Burjaten sind jedoch Anhänger des Buddismus lamaistischer Prägung. Überall finden sich inzwischen wieder neuerbaute Dazans (Gebetstempel) mit den bekannten Gebetsmühlen und ziemlich kitschig. Auf dem Gelände gibt es einen feenhaften Wald, der mit den fliegenden Gebetsfahnen (Windpferde) übersäht ist

Magischer Wald
Magischer Wald

und eine besondere Ausstrahlung hat. Am besten Aussichtpunkt über die Stadt vom Kahlen Berg thront wieder ein buddhistischer Tempel zu Ehren des Lama.

"Das Rote Tor"
„Das Rote Tor“
Windpferde
Windpferde

Früher waren die Burjaten, wie die Ewenken, Anhänger des Schamanismus. Im ethnografischen Freilichtmuseum kann man ein echtes Schamanenzelt

Zelt des Schamanen: Die Erde
Zelt des Schamanen: Die Erde

mit Ober- und Unterwelt und dienenden Geistern bestaunen. Alle Exponate sind echt und wurden aus den unterschiedlichen Landesteilen zusammengetragen – auch aus Olchon gibt es einen Opferplatz der Kurykanen. Daneben werden die verschieden Sommer- und Winterjurten der Burjaten, das Haus eines Atamanen (Führers) der Kosaken und Höfe der verbannten Altgläubigen gezeigt. Noch heute lehnen die Altgläubigen die moderne Welt – ähnlich den Amish – ab und leben ohne Strom, Autos und Alkohol.

Mein Heim
Mein Heim

Meine Wohnung lag in einer riesigen Hochhaussiedling mit einem fantastischen Blick über den Fluss.

Blick vom Balkon
Blick vom Balkon

Gegessen wird hier, wie bei den Mongolen meist Fleisch und das bedeutet Hammel in Form von Bozus – hier im traditionellen Nomadenzelt.

Die Hochzeitstraditionen sind jedoch eher westlich inspiriert.

Olchon – Baikalsee

Robbe am Strand
Robbe am Strand

Wenn der Baikalsee das Herz Sibiriens ist, so soll die Insel Olchon das Zentrum des Baikalsees sein. Meine Reiseführer versprachen unberührte, abwechslungs-reiche Natur, in der sich die wenigen Touristen verlieren. In meinen zwei Wochen hier wollte ich in die russische Natur eintauchen und die Stille genießen –  es sollte ein wenig anders kommen. Zuerst ein kurzer Abriss zur Entwicklung zum Verständnis der

Kurykanen + Blick aufs Festland
Kurykanen + Blick aufs Festland

Gesamtlage: Es finden sich sowohl neolithische Spuren, als auch Mauern, Gräber und Opferstätten vom geheim-nisvollen Volk der Kurykanen. Später flohen sie vor den Mongolen unter Dschingis Khan und die Insel

wurde von den Burjaten in Besitz genommen. Nach ihrer schamanischen Religion ist der Felsen neben dem Hauptort Khuzir der irdische Sitz einer ihrer

Sitz eines Gottes auf Erden
Sitz eines Gottes auf Erden
Heiliger Ort
Heiliger Ort

höchsten Götter, überhaupt war die gesamte Insel ein heiliger Ort und deswegen kaum besiedelt – vor allen Dingen nicht beim Haupt-heiligtum. Die Russen haben dann gleich erstmal Khuzir direkt neben dem Schama-nenfelsen gegründet und die Haupteinnahmequelle war eine subventionierte Fisch-fabrik, die im Zuge des Untergangs des Sowjetreiches pleite ging. Seit 2007 gibt es hier erst Strom, fließend

Wasser oder asphaltierte Straßen immer noch nicht. Das Wasser pumpen Lastwagen aus dem versifften Hafen und bringen es zu den Häusern. Obwohl das

Wasserversorgung
Wasserversorgung

Baikalwasser eigentlich Trink-wasser ist, habe ich mir sofort Wasser aus Quellen gekauft. Es gibt hier drei Arten von Vegetationsformen: karg, kärger und am kärgsten. Die versprochene Stille ist eine Todesstille. Bei meinen 30km Märschen über sonnenverbrannte Ebenen ist kein Laut zu hören: keine Vögel, keine Insekten und erst recht

Mein Fußweg
Mein Fußweg

kein Rascheln von Blättern. Außer Murmeltieren und einem Fuchs habe ich kaum Tiere gesehen. Einmal gab es ein Tal mit vielen Schmetterlingen, das war mal eine echte Abwechslung von der Einöde.

Idylle
Idylle

Ansonsten trift man immer wie-der auf Herden von Kühen und Pferden, die frei über die Landschaft ziehen und sich manchmal das Essen brüderlich mit den vielen streunenden Hunden teilen.

Die wenigen verbliebenen Burjaten leben genauso (nur noch etwas erbärmlicher) wie die Russen. Nur für die Touristen führen sie am Abend ein kleines Ethnospektakel auf. Traditionell nomadisch lebende

Burjatisches Dorf
Burjatisches Dorf

Burjaten gibt es nur noch in der Mongolei. Die meisten Russen (1.600) leben entlang der staubigen

Hauptstraße von Khuzir
Hauptstraße von Khuzir

Hauptstraße in herunter-gekommenen Hütten und zwischen Müll. Im kauzigen Heimatmuseum bei der Schule kann man neben verfaulenden Zombietieren an den Fotos sehen, dass sich fast nichts verändert hat. Der Slum erwacht zum

Leben, wenn am Nachmittag die Touristen von den Bussen aus Irkutsk ausgespuckt werden. Im Gegensatz zu den Tagestouristen in Listwanka, bleiben die meisten hier 1 bis 3 Tage. In dieser Zeit werden sie tagsüber in graue UAZ (russische Kleinbusse) gestopft und zu den „Sehenswürdigkeiten“ im Pulk gefahren.

Blick auf das große Meer am Hoboj Kap
Blick auf das große Meer am Hoboj Kap

Das bedeutet: fahren, aussteigen, Kliff, Foto, Baum, Foto, Kliff, Foto, Berg, Foto und entbehrt jeder Magie. Bei jedem Ausflug gibt es die gleiche dünne Fischsuppe und viel durchgeweichtes Weißbrot mit wenig Käse. Während meines Aufenthaltes habe ich

Küstenlinie
Küstenlinie

die gesamte Insel mit dem Bus und zu Fuß erkundet und ich kann eines mit Sicherheit sagen – kein

Mensch muss nach Olchon kommen. Absurd und interessant waren allein die ausländischen Touristen aus wirklich aller Herren Länder. Die vielen Gespräche und gemeinsame Aktivitäten habe ich sehr genossen.

Highlight waren die Massen an Südkoreanern, so eine Art Chinesen auf Speed. Ihr deutscher Lieblingsfilm war „Der Tunnel“ und uns verband das Erlebnis eines geteilten Heimatlandes. Die meisten Russen fahren an

Strand bei Khuzir
Strand bei Khuzir

Khuzir vorbei und campen wild an den vielen romantischen Buchten oder wohnen in den eilig hochgezimmerten Holzhäusern in Strandnähe. Aber Obacht: die Strände sich zwar wunderschön, doch das

Wasser ist leider viel zu kalt zum ausgiebigen Baden. Tourismus nach unseren Vorstellungen gibt es in Russland nicht – kein Service, keine Infrastruktur, niedriger Standard.

Ostküste
Ostküste
Küste am gegenüberliegenden Festland
Küste am gegenüberliegenden Festland
Das "kleine Meer" zwischen Festland und Olchon
Das „kleine Meer“ zwischen Festland und Olchon
Serge am Schamanenfelsen
Serge am Schamanenfelsen

Ein kleines Abenteur war die Anreise. Erstmal haben wir einen Stopp eingelegt, da unser burjatischer Busfahrer bei einer Panner ausgeholfen hat. Danach prallte ein riesiger Stein auf die Windschutzscheibe und der Fahrer und ich waren mit Scherben überseet. Während der Überfahrt war ich ziemlich dankbar, daß uns nichts passiert ist.

Listwanka – Baikalsee

Silberstreif am Horizont
Silberstreif am Horizont

Hier erstmal einige Daten, um in die richtige Stimmung zu kommen:

Der Baikalsee ist ca. 30 Mio. Jahre alt und Teil eines Grabenbruchs, der die tektonischen Platten immer weiter auseinander driften läßt. Daher gibt es fast

Ein Wunder der Natur
Ein Wunder der Natur

täglich kleinere oder selten größere Erdbeben. Er wächst um 2cm pro Jahr und wird irgendwann als Meer Asien in zwei Hälften teilen. Mit einer Tiefe von 1.700m ist er nicht nur der älteste und größte Süßwassersee (636km lang), sondern auch der tiefste.

Einziger Abluss: Angara
Einziger Abluss: Angara

336 Flüsse speisen ihn und nur die Angara fließt ab. Mit 23.000 Kubik-kilometer Wasser faßt er zweimal soviel wie die Nordsee und die gesamte Menschheit könnte 50 Jahre lang an ihm ihren Durst stillen. Allein 1.350 endemische Arten leben in und um ihn (insgesamt 3.500). Die auffälligste ist die

Baikalrobbe
Baikalrobbe

Baikalrobbe, die einzige Süßwasserrobbe der Welt, die vor Urzeiten vom Meer eingewandert ist, bis ihr der Rückweg versperrt wurde. Sie kann bis zu 200m tief tauchen und über eine Stunde ohne Luft auskommen.

Das „Herz Sibiriens“ (UNESCO Weltkulturerbe) lockt jedes Jahr Unmengen an inländischen und ausländischen Touristen. Ich hatte mir in etwa Sylt vorgestellt – Pustekuchen. Ja, Sylt, aber nach drei Wirbelstürmen und einem Atomkrieg! Die maroden

Häuschen liegen zusammengewürfelt entlang des Ufersaums, als ob eine Riese auf seinem Weg

Räucherbuden an jeder Ecke
Räucherbuden an jeder Ecke

Brotkrümel verstreut hätte. Auf 50m Metern ballt sich das „Zentrum“. Hier haben findige Russen ein paar Bretterbuden aufgestellt, in denen sie neben dem Klassiker Omul und 300 Varianten von Stofftierrobben, völlig sinnlosen Tinnef zu völlig absurden Preisen anbieten. Dieser wird ihnen jedoch von den Horden täglich einfallender Tagestouristen dankbar aus den Händen gerissen. Neben den Russen sind dies vor allen Dingen Chinesen und Franzosen.

Vor dieser großartigen Naturkulisse spiegelt sich in hartem Kontrast das recht profane Treiben der Menschen. Fast unerträglich war die Vorstellung im Nerpiarium (Nerpa = Robbe). Hier müssen zwei traumatisierte Robben in einer Art Schwimmbad vor frenetisch kreischenden russischen Touristen unerträgliche Späßchen aufführen – ich war für den Rest des Tages deprimiert. Dafür konnte das

Archaischer Plattwurm
Archaischer Plattwurm

Limnologische (griech. = See) Institut mit toll inszenierten Informationen aufwarten – leider alles in russisch. Daher bin ich drei Mal durch das gesamte Institut gelaufen, einmal allein, einmal mit einer Führerin aus dem Institut und noch einmal mit einer externen Führerin, die noch andere Dinge erzählt hat. Hier ein paar Highlights:

Omul: 7 Jahre zur Geschlechtsreife, 11 Jahre ausgewachsen
Omul: 7 Jahre zur Geschlechtsreife, 11 Jahre ausgewachsen

Der Omul braucht 11 Jahre bis er ausge-wachsen ist, da das Wasser (oben 14, unten 4 Grad) so kalt ist. Der Ölfisch (Leibspeise der Robben) ist ovovivipar. In 1600m Tiefe Leben Amphipoden

Amphipoden
Amphipoden

(Flohkrebse) von 6cm Größe, die aussehen wie Aliens und alles an Kadavern (inkl. Knochen) vertilgen. Daher werden auch Ertrunkene nie geborgen.

 

Wenn man mit der Fähre auf die andere Seite übersetzt, kommt man nach Port Baikal – ein Dorf wie vom selben Riesen aus dem rechten Nasenloch gerotzt. Hier dämmern schrottreife Boote vor sich hin und träumen von besseren Tagen, dabei sehen ihnen teilnahmslos und phlegmatisch die Einwohner zu.

Immer am Ufer entlang
Immer am Ufer entlang

Interessant ist hier nur die Zirkumbaikalia – die alte Strecke der Transsib, damals eine Meisterleistung. Heute verkehrt auf ihr nur zweimal am Tag ein Touristenzug im Schneckentempo, so dass man problemlos zur Seite gehen kann, wenn ein Zug herankriecht. Ich bin so 20km auf den Gleisen hin und

zurück gelaufen, durch ein Meer von Schmetterlingen, die die reichen Wiesen bevölkern. Außer mir nur ein paar Ausländer, die Russen sind gleich an der ersten Bucht zum Essen und Trinken kleben geblieben. Meine

besten Freunde auf dem Trip waren ca. 10 Bremsen, die die ganze Zeit versucht haben, eine Mahlzeit zu

Bremsen
Bremsen

schnorren. Unglaublich widerwärtige Biester, die das personifizierte Böse in Insektengestalt sind. Eine hat mit ihrem Leben bezahlt und eine andere hatte Erfolg am Buffet.

Der schönste Tag war die Wanderung entlang des alten ewenkischen Handelsweges. Wobei ich die erste

Naturpark
Naturpark

Zeit ziemlich angespannt war, da es am Baikalsee Bären gibt und mir eine Frau erzählt hat, daß manchmal sogar Bären nach Listwanka kommen. Ich habe also in völliger Einsamkeit im tiefsten Märchenwald mit einem Stöckchen angsterfüllt gegen Bäume geschlagen, um mich bemerkbar zu machen (Bären mögen keine Überraschung). Nach drei Stunden habe ich zwei Jungs aus Kalifornien – Adam und Dennis – getroffen, die mir erzählt haben, daß

vom nächsten Ort eine Fähre um 18 Uhr nach Listwanka geht. Somit konnte ich noch weitere drei Stunden entlang des Sees laufen und endlich auch die einmalige Natur genießen, da ich mit den Jungs keine

Küstenlinie
Küstenlinie

Angst mehr hatte. Außerdem haben wir uns die ganze Zeit angeregt unterhalten, was eine schöne Unterbrechung meiner Einsamkeit war. Um 17 Uhr kamen wir dann in Bolschoje Koty an, einem noch

größeren Dreckskaff als Port Baikal, das nur per Boot zu erreichen ist. Hier haben wir die müden Beine nach 27km Wanderung entspannt und uns auf die Fähre gefreut, da wir ziemlich fix und alle waren. Leider gab es um 18 Uhr keine Fähre, da Montags die Fähre nicht fährt – kurz war ich den Tränen nahe. Dann habe ich einen Fischer angequatscht und uns mit meinen rudimentären Russischkenntnissen ein Boot besorgt.

Adam und ich
Adam und ich

Da die Jungs kein Wort russisch konnten, waren sie sehr froh, mich getroffen zu haben. Es kam dann nach einem Telefonat in 5 Minuten eine kleine grüne Nußschale mit Außenbordmotor angejuckelt. Statt der vereinbarten 3000 Rubel (1000 pro Nase) wollte der gute Mann kurzfristig 5000 Rubel haben. Als ich meinte, soviel haben wir nicht, war es sofort wieder vom Tisch. So hat alles noch gut und sehr russisch geendet.

Irkutsk – km 5191

Ketten wurden nie abgenommen
Ketten wurden nie abgenommen

So wie Petersburg das Tor zum Westen ist, war und ist Irkutsk das Tor zum Osten. Entstanden im Kampf gegen die Burjaten (die heute Teil der russischen Großfamilie sind), gehörten früher Alaska und Teile Kaliforniens administrativ zu Irkutsk. Ein Meilenstein

Zwangsarbeit im Bergwerk
Zwangsarbeit im Bergwerk

in der Entwicklung war die Verbannung der Dekabristen nach Sibirien – Dostojewski war einer von ihnen. Nach 13 bis 15 Jahren Zwangsarbeit in Bergwerken unter den erbärmlichsten Bedingungen, durften sie erst in kleine Dörfer ziehen und später nach Irkutsk. Dort halfen sie der meist leibeigenen Bevölkerung durch die Gründung von Schulen, Waisenhäusern und Verbesserung der Landwirtschaft. Auch brachte diese Intelligenzia ein wenig Kultur in das rauhe Sibirien. Besonders berührt hat mich die

Geschichte der Familien Wolkonskij und Trubeckoj, deren Wohnhäuser zu besichtigen sind und zu dem Besten gehören, was ich bisher an Museen in Russland gesehen habe. Ungefähr die Hälfte der adeligen Frauen aus höchsten Kreisen ist ihren Männern allein unter

Aufgabe aller Güter und Bürgerrechte in die bitterste Not gefolgt und hat, aller Entbehrungen und Demütigungen zum Trotz, Jahrzehnte an ihrer Seite ausgeharrt – Hut ab, was für starke Frauen! Daneben haben sie noch Kinder geboren und beerdigt, und sich sozial engagiert.

Schönes Stadtbild
Schönes Stadtbild
Karl-Marx-Staße
Karl-Marx-Staße

Irkutsk ist die Stadt mit der höchsten Dichte an historischen Holz- und Steinhäusern. Hochhäuser sucht man im Zentrum vergebens. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich in die Zeit der Dekabristen zurück zu versetzen, das macht den besonderen Charme von Irkutsk aus. Leider sind die meisten Häuser in einem erbarmungswürdigen Zustand und man kann sich kaum vorstellen, dass dort Menschen hausen – tun sie aber. Es gibt Straßen, die ausschließlich aus

Holzhäusern bestehen, die unbelebt und aus der Zeit gefallen scheinen. Fast könnte man meinen, dass nur des Nachts die Häuser mit ihren schrägen Bewohnern zum Leben erwachen. Mein Apartment war dagegen ganz profan in einem Hochhaus, von dem man aus sehr gut die slumartige Anordnung der Holzhäuser sehen konnte.

Auch hier existiert wieder das Miteinander von modernsten Shoppingsmalls, neben denen Disney-Holzhäuser hochgezogen werden und archaisch anmutenden Märkten. Es gibt sogar einen

Disney-Holzhäuser
Disney-Holzhäuser

chinesischen Markt- kein Wunder bei der Menge an chinesischen Touristen. Überhaupt ist durch die Nähe zum Baikalsee die Stadt auf Touristen eingestellt. Es gibt Touristinformationen, Karten und Hinweisschilder.

Jede Reisegruppe scheint in Irkutsk/Baikalsee eine Stopp einzulegen. Englisch kann deswegen noch lange keiner sprechen. Im Zug sprach mich eine junge Frau an, die danach gierte ihr Englisch anzuwenden und zu verbessern. Sie meinte, dass der Englischunterricht grottenschlecht sei und sie nie Gelegenheit hätte, die Sprache zu nutzen.

Neben den üblichen orthodoxen Kirchen gibt es auch eine katholische Kirche und eine Synagoge.

Der große Fluss von Irkutsk ist die Angara, der einzige

Uferpromenade
Uferpromenade

Abfluss des Baikalsees. Sie prägt das Leben und neben den historischen Bauten das Stadtbild von Irkutsk. Dazu speist sie ein riesiges Wasserkraftwerk, oberhalb dessen sich ein großer Stausee gebildet hat. Dort dümpelt nun der Eisbrecher

Einstige Größe
Einstige Größe

„Angara“, der vormals auf dem Baikalsee stolz seinen Dienst tat. Jetzt hat er mehr die Ausstrahlung von „African Queen“.

Eisbrecher Angara
Eisbrecher Angara
Humboldt
Humboldt

Bis auf das Dekabristenmuseum waren eigentlich alle Museen eine Enttäuschung: Gemäldegalerie, Naturkundemuseums, ethnologisches Museum. Beim letzteren war nur interessant, daß auf der Fassade neben bekannten russischen Forschern auch Humboldt einen Platz gefunden hat. Ansonsten die üblichen russischen Entwicklungschritte…

Krasnojarsk – km 4104

Motiv des 10 Rubel Scheins
Motiv des 10 Rubel Scheins

Das Außergewöhnlichste an Krasnojarsk ist, dass es die einzige sibirische Stadt ist, die auf einem Rubelschein verewigt wurde und zwar mit der Brücke

Lenin und Duma
Lenin und Duma

und der Kapelle. Ansonsten konnte ich nicht viel Schönes an Krasnojarsk entdecken. Neben dem üblichen Lenindenkmal, Lenin- + Karl-Marx + Diktatur des Proletariats-Straße gibt es wie immer ein Spartak Stadion und einen Vergnügungspark. Moderne

Shopping Malls sucht man hier vergebens. Alles ist umgeben von Holz-/Steinhäusern und Neubauten in allen Verfallsstufen, wobei man sich nie sicher ist: wurde die Renovierung abgebrochen, steht sie noch an oder ist das schon der erneute Verfall nach der

Heimatmuseum im ägyptischen Look
Heimatmuseum im ägyptischen Look

Renovierung. Auffällig ist hier das Heimat-museum, das im ägypti-schen Stil renoviert wurde, obwohl es kein einziges ägytisches Exponat ausstellt  – absurd und witzig. Natürlich enthält es wieder die fünf Stufen der sibirischen Evolution: Vorzeit, Gründung durch Kosakenführer, Zarenzeit (inkl. Zarenbesuch), kommunistische Revolution,

vaterländischer Krieg. Interessant war für mich die Darstellung der vielen indigenen Völker und ich habe etwas dazugelernt: Das Wort „Schaman“ kommt aus dem Ewenkischen, wurde in die russische Sprache übernommen und danach vom Rest der Welt. Am Baikalsee gibt es einen wichtigen schamanischen Ort, dort hoffe ich, einen echten Schamanen zu treffen.

Im Kulturzentrum wollte ich mir eigentlich die Ausstellung über Russlanddeutsche anschauen – gab es aber nicht mehr, nur eine krude Mischung aus Kriegsinstallationen, Leninhistorie und riesigen auf 2x3m gestrickten Bildern. Stattdessen habe ich einen

echten Russlanddeutschen getroffen, Fridrich Schmidt, ein älterer distinguierter Herr, der sich sich ein Loch in den Bauch gefreut hat.

Dampfschiff St. Nikolaj
Dampfschiff St. Nikolaj

Nicht weit entfernt liegt die St. Nikolaj, die einst den künftigen Zaren Nikolai II beher-bergte und sechs Jahre später Lenin in die Verbannung brachte.

Am Morgen der Hinrichtung der Strelizen
Am Morgen der Hinrichtung der Strelizen

Bekanntester Sohn der Stadt ist der Kosake Wassili Surikov (1848-1916) – eine Ikone der russischen historischen Malerei. Jedes Kind kennt seine Hauptwerke, die ich in der Tretjakow Galerie in Moskau kennenlernen durfte. Hier hat ein kleines Museum seinen Namen mit einigen weniger bedeutenden Werken.

Absolutes Highlight war der Nationalpark Stolby. Ein Bruchteil der Gesamtfläche von 47000 Hektar sind zugänglich. Berühmt ist er für seine 80 bis zu 100m hohen Granitfelsen – ein Eldorado für Bolder. Man

Aussicht auf Granitfelsen
Aussicht auf Granitfelsen

kommt mit dem Bus ziemlich nah ran (2,5km) und muss dann noch zu Fuß 7km bis zu den ersten Felsen laufen. Ich hatte wenig Lust den gleichen Weg zurückzugehen und dank Karte bin ich über einen

Stolby = Pfähle = Granitfelsen
Stolby = Pfähle = Granitfelsen

endlosen Kamm auf die andere Seite des Tales gelaufen (11km) – das hat außer mir keiner gemacht. Ich war ganz allein und konnte die unberührte Natur genießen, inklusive dem größten Kuckuck-Konzert, dass ich je gehört habe. Einmal musste ich auf einen der Felsen steigen, um die Aussicht zu sehen. Da es kurz geregnet hatte, alles rutschig war und ich meiner Mutter versprochen hatte, keinen Scheiß zu machen, bin ich auf allen vieren hochgekrochen und auf dem Arsch wieder runtergerutscht – die Hosen gestrichen voll. Auf der anderen Seite des Tales gibt es eine Seilbahn, da war dann plötzlich alles voller Leute. Als ich ein Ticket kaufen wollte – hahaha – ging das nicht, es gibt nur hoch und runter, da keiner bis dahin läuft. Also bin ich einfach fein umsonst runter. Oben hatte ich

noch zwei Jungs aus Tomsk kennengelernt. Der eine konnte etwas deutsch aus der Schulzeit und die Mutter des anderen hat einen Deutschen geheiratet und lebt in der Nähe von Frankfurt und arbeitet als Altenpflegerin – ich habe dann per WhatsApp mit ihr gesprochen. Beide sind voll die Europa/Deutschland-Fans und würden am liebsten gleich morgen ausreisen.

5 von oben, 2 von rechts
5 von oben, 2 von rechts

Meine Unterkunft war typisch krasnorjarskisch: verfallener Wohnblock mitten im Zentrum, aber immerhin warmes Wasser.

Noch ein kleines russisches Kuriosum:

In den Supermärkten ist jede Alkoholflasche einzeln gesichert, auch wenn sie nur 10€ kostet – scheint beliebtes Diebesgut zu sein.

Gesicherter Alkohol
Gesicherter Alkohol

Nachtrag von der Transsib:

4-Bett Abteil
4-Bett Abteil

Obwohl ich dritte Klasse gebucht hatte, hatte ich ein 4-Personen Abteil für mich, das war wirklich sehr gemütlich und ich habe die Fahrt sehr genossen, bis dann um 3 Uhr nachts noch ein Mann zugestiegen ist – immerhin.