Beijing – km 8961

"Mein Hutong"
„Mein Hutong“

Das Ende meiner Reise ist nah! Mit Freude und Bangen sehne ich den Tag herbei, an dem ich wieder nach Hause fliege. Unendlich freue ich mich auf meine Familie und meine Freunde, auf das vertraute Leben. Doch lauert auch die Sorge um meine finanzielle Situation und die Mühsaal des Alltagstrotts in einer dunklen Ecke und grient mich boshaft an. Doch noch ist es nicht soweit, noch versuche ich mal wieder so viel wie möglich von Beijing zu erleben!!!!

Der Hutong zum Hotel
Der Hutong zum Hotel

Der Anfang hat es mir nicht gerade leicht gemacht. Am Bahnhof wollten schon die offiziellen Taxis das Fünffache des regulären Preises. Nach endlosem Feilschen bin ich mit einem älteren Herren mit und landetet – auf einem Autoscooter: Mein riesen Gepäck quer vor seinen Füßen und ich hinter ihm. Dann ist er gegen die Fahrtrichtung, quer über die Kreuzung, los. Ich sah schon alle 10 Sekunden mein Gehirn auf der Straße. Nach der Hälfte des Weges fing es dann so an zu schütten, daß ich dachte, es spült uns in den Gully. Völlig durchnäßt, aber lebendig, kam ich im traditionellen Wohnhof-Hotel mitten im Hutong an.

Mein kleines Haus
Mein kleines Haus

Da ging der Spaß von vorne los! Jetzt habe ich ein kleines Häuschen mit tollem Ambiente und sitze davor in einem kleinen Innenhof. Gott sei dank gibt es eine Klimaanlage, die Temperatur liegt um die 30 Grad und ich bin jeden Tag völlig durchnäßt. Das macht besonders Spaß, wenn halb China mit einem die Sehenswürdigkeiten

Kaiserdisziplin: Drängeln
Kaiserdisziplin: Drängeln

besucht. Sicher gibt es auch ausländische Touristen, aber die fallen in den ameisen-artigen Massen kaum auf, auch bewegen die sich kaum weg von den Standard-sehenswürdigkeiten. Anstehen und drängeln zu jeder Gelegenheit – das ist das chinesische Motto. Dank vielen Gepäckkontrollen (an einem Tag 7x) und wechselnder Wegführung gibt es dafür immer wieder Möglichkeiten. Am ersten Tag wollte ich gemütlich ich den Zoo – hahaha – mit mir halb Beijing. Schreiende Kinder, kreischende

Früh übt sich.
Früh übt sich.

Erwachsene, die andauernd gegen alle Scheiben hämmern müssen. Das Beste war der Nachtzoo: In völliger Dunkelheit (kein Speziallicht oder so) lief man an den Tierkäfigen vorbei. Die findigen Chinesen haben daraufhin die Taschenlampen ihrer Handys

Gestörter Panda
Gestörter Panda

angestellt und den Tieren fett in die Augen geleuchtet – ein Traum. Selbst die Pandas lagen nur apathisch in der Ecke und sahen ziemlich verwahrlost aus. Das Aquarium ist aber auf dem neuesten Stand. Befremdlich ist nur der riesige Ballermann-bereich im Zentrum der Anlage. Am

Partymeile im Aquarium
Partymeile im Aquarium

nächsten Tag wollte ich dann gemütlich um 11 Uhr in die Verbotene Stadt – Pustekuchen! Da waren alle 80.000 Tickets bereits ausverkauft. Am folgenden Tag

Der Eingang zur Verbotenen Stadt
Der Eingang zur Verbotenen Stadt

war ich dann pünktlich um 8 Uhr da und habe mir 5 1/2 Stunden ca. 60 Highlights angeschaut (16km). Vor dem Himmelsthron war wieder Hauen und Stechen angesagt. Bei allem Streß ist die Verboteten Stadt einfach einmalig und man kann sich garnicht satt sehen. Am Abend habe ich mir gleich „Der letzte

Menschenmassen
Menschenmassen

Kaiser“ angesehen und habe ALLES wiedererkannt – ein Traum. Ein Traum ist auch das Essen: in meinem

Joghurt als Magenmedizin
Joghurt als Magenmedizin

Hutong steht eine Freßbude nach der anderen (wie eigentlich in ganz Beijing) und ich stopfe einfach alles in mich rein – nicht immer weiß ich was… Kein Traum ist die Internetverbindung im Hotel und die Sperrung diverser Dienste. Alle Google-

Kleine Geschäfte im Hutong
Kleine Geschäfte im Hutong

Dienste gehen nicht, viele Seiten, selbst der Airlines, sind gesperrt, auch Dropbox. Das heißt, ich schleppe gerade das IPad überall hin mit, um ein paar Bilder zu machen (das Hochladen ist ein Graus). Daher eine schlechte und geringe Bebilderung in China – sorry!

Die nächste Traumerfüllung hieß: chinesische Mauer. Ich bin zu einem entfernteren Stück um dort 3 1/3 Stunden auf 6km zu laufen – ich dachte noch, das ist bestimmt für Omis. Nix da, in der Mittagshitze ohne

DIE Mauer
DIE Mauer

Wolken, hoch und runter, wir (eine Holländerin und ich) haben es gerade noch rechtzeitig zum Bus geschafft. Es war aber alle Mühe wert: was für eine Aussicht, was für ein Bauwerk. Eigentlich ist alles sehr beeindruckend! Der Volkskongress, die große Bühne für alle politischen Ankündigungen, wie man

Der Volkskongress
Der Volkskongress

sie sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Das gigantische Nationalmuseum: nur für die fantastische

Gigantische Dimensionen
Gigantische Dimensionen

Ausstellung zum alten China habe ich 3 Stunden gebraucht. Die Ausstellung zum Aufbruch in die neue Zeit ist typische unreflektierte Propaganda. Auch der Konfuziustempel hat einen ganz besonderen Charme.

Konfuziustempel
Konfuziustempel

Direkt daneben ist die kaiserliche Akademie für Beamte, in der diese seit 900 n.C. zuerste eine lange

Übungsstunde beim Meister
Übungsstunde beim Meister

Ausbildung mit Abschlussprüfung ablegen mußten. Eine besondere Herausforderung war die Anreise zum Ausgrabungsort des Peking-Menschen, 50km südlich von Beijing mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Hier wurden 40 Hominden entdeckt.

Höhle des Peking Menschen
Höhle des Peking Menschen

Die Höhlen kann man sehr gut sehen. Besonders habe ich mich auf das interaktive Museum gefreut. Interaktiv auf Chinesisch bedeutet jedoch: Gaming! Man konnte in diversen Spielen z.B. Urmenschen Steine auf Hyänen werfen lassen oder Fische fangen. Dafür

3D-Film ohne 3D-Brille
3D-Film ohne 3D-Brille

fehlen jegliche Fundstücke – ein echter Kultur-schock. Neben allen unglaublich reichen historischen Sehenswürdigkeiten bietet Beijing auch

Eingang zum Grabungsgelände
Eingang zum Grabungsgelände

einmaliges modernes Design. Das CCTV Gebäude von Rem Koolhaas ist genial. Daneben wird eifrig gebaut.

CCTV von Rem Koolhaas
CCTV von Rem Koolhaas

Die Hochhäuser drum herum wirken eher lieblos zusammengewürfelt, mit Shanghai kann Beijing hier nicht wirklich mithalten. Überhaupt sind die ganzen Shoppingmalls ziemlich langweilig und irgendwie alle lieblos. Nächsten Designhighlight ist natürlich das

Vogelperspektive
Vogelperspektive

olympische Stadion. Was für ein absolut geniales

Vogelnest
Vogelnest

Design – ich konnte mich garnicht satt sehen an der inneren und äußere Struktur!

 

2 Gedanken zu „Beijing – km 8961“

  1. Liebe Torunn,

    mit Begeisterung habe ich regelmäßig Deinen Blogg gelesen und ich bin schwer von Deinem unermüdlichen kulturellen Interesse und deinem redaktionellen Fähigkeiten beeindruckt. Schade dass es nun bald zu Ende geht. Vielen Dank für die vielen Eindrücke!

    Gerald

    1. Das freut mich aber! Vor allen Dingen war ich ja am Schluss garnicht mehr in Russland :-))
      Ja, ich bin voll der Kulturfreak, kann mich da echt begeistern. So lange Zeit allein war aber auch echt anstrengend. Ich hoffe, wir treffen uns mal!!!

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