Irkutsk – km 5191

Ketten wurden nie abgenommen
Ketten wurden nie abgenommen

So wie Petersburg das Tor zum Westen ist, war und ist Irkutsk das Tor zum Osten. Entstanden im Kampf gegen die Burjaten (die heute Teil der russischen Großfamilie sind), gehörten früher Alaska und Teile Kaliforniens administrativ zu Irkutsk. Ein Meilenstein

Zwangsarbeit im Bergwerk
Zwangsarbeit im Bergwerk

in der Entwicklung war die Verbannung der Dekabristen nach Sibirien – Dostojewski war einer von ihnen. Nach 13 bis 15 Jahren Zwangsarbeit in Bergwerken unter den erbärmlichsten Bedingungen, durften sie erst in kleine Dörfer ziehen und später nach Irkutsk. Dort halfen sie der meist leibeigenen Bevölkerung durch die Gründung von Schulen, Waisenhäusern und Verbesserung der Landwirtschaft. Auch brachte diese Intelligenzia ein wenig Kultur in das rauhe Sibirien. Besonders berührt hat mich die

Geschichte der Familien Wolkonskij und Trubeckoj, deren Wohnhäuser zu besichtigen sind und zu dem Besten gehören, was ich bisher an Museen in Russland gesehen habe. Ungefähr die Hälfte der adeligen Frauen aus höchsten Kreisen ist ihren Männern allein unter

Aufgabe aller Güter und Bürgerrechte in die bitterste Not gefolgt und hat, aller Entbehrungen und Demütigungen zum Trotz, Jahrzehnte an ihrer Seite ausgeharrt – Hut ab, was für starke Frauen! Daneben haben sie noch Kinder geboren und beerdigt, und sich sozial engagiert.

Schönes Stadtbild
Schönes Stadtbild
Karl-Marx-Staße
Karl-Marx-Staße

Irkutsk ist die Stadt mit der höchsten Dichte an historischen Holz- und Steinhäusern. Hochhäuser sucht man im Zentrum vergebens. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich in die Zeit der Dekabristen zurück zu versetzen, das macht den besonderen Charme von Irkutsk aus. Leider sind die meisten Häuser in einem erbarmungswürdigen Zustand und man kann sich kaum vorstellen, dass dort Menschen hausen – tun sie aber. Es gibt Straßen, die ausschließlich aus

Holzhäusern bestehen, die unbelebt und aus der Zeit gefallen scheinen. Fast könnte man meinen, dass nur des Nachts die Häuser mit ihren schrägen Bewohnern zum Leben erwachen. Mein Apartment war dagegen ganz profan in einem Hochhaus, von dem man aus sehr gut die slumartige Anordnung der Holzhäuser sehen konnte.

Auch hier existiert wieder das Miteinander von modernsten Shoppingsmalls, neben denen Disney-Holzhäuser hochgezogen werden und archaisch anmutenden Märkten. Es gibt sogar einen

Disney-Holzhäuser
Disney-Holzhäuser

chinesischen Markt- kein Wunder bei der Menge an chinesischen Touristen. Überhaupt ist durch die Nähe zum Baikalsee die Stadt auf Touristen eingestellt. Es gibt Touristinformationen, Karten und Hinweisschilder.

Jede Reisegruppe scheint in Irkutsk/Baikalsee eine Stopp einzulegen. Englisch kann deswegen noch lange keiner sprechen. Im Zug sprach mich eine junge Frau an, die danach gierte ihr Englisch anzuwenden und zu verbessern. Sie meinte, dass der Englischunterricht grottenschlecht sei und sie nie Gelegenheit hätte, die Sprache zu nutzen.

Neben den üblichen orthodoxen Kirchen gibt es auch eine katholische Kirche und eine Synagoge.

Der große Fluss von Irkutsk ist die Angara, der einzige

Uferpromenade
Uferpromenade

Abfluss des Baikalsees. Sie prägt das Leben und neben den historischen Bauten das Stadtbild von Irkutsk. Dazu speist sie ein riesiges Wasserkraftwerk, oberhalb dessen sich ein großer Stausee gebildet hat. Dort dümpelt nun der Eisbrecher

Einstige Größe
Einstige Größe

„Angara“, der vormals auf dem Baikalsee stolz seinen Dienst tat. Jetzt hat er mehr die Ausstrahlung von „African Queen“.

Eisbrecher Angara
Eisbrecher Angara
Humboldt
Humboldt

Bis auf das Dekabristenmuseum waren eigentlich alle Museen eine Enttäuschung: Gemäldegalerie, Naturkundemuseums, ethnologisches Museum. Beim letzteren war nur interessant, daß auf der Fassade neben bekannten russischen Forschern auch Humboldt einen Platz gefunden hat. Ansonsten die üblichen russischen Entwicklungschritte…

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