Krasnojarsk – km 4104

Motiv des 10 Rubel Scheins
Motiv des 10 Rubel Scheins

Das Außergewöhnlichste an Krasnojarsk ist, dass es die einzige sibirische Stadt ist, die auf einem Rubelschein verewigt wurde und zwar mit der Brücke

Lenin und Duma
Lenin und Duma

und der Kapelle. Ansonsten konnte ich nicht viel Schönes an Krasnojarsk entdecken. Neben dem üblichen Lenindenkmal, Lenin- + Karl-Marx + Diktatur des Proletariats-Straße gibt es wie immer ein Spartak Stadion und einen Vergnügungspark. Moderne

Shopping Malls sucht man hier vergebens. Alles ist umgeben von Holz-/Steinhäusern und Neubauten in allen Verfallsstufen, wobei man sich nie sicher ist: wurde die Renovierung abgebrochen, steht sie noch an oder ist das schon der erneute Verfall nach der

Heimatmuseum im ägyptischen Look
Heimatmuseum im ägyptischen Look

Renovierung. Auffällig ist hier das Heimat-museum, das im ägypti-schen Stil renoviert wurde, obwohl es kein einziges ägytisches Exponat ausstellt  – absurd und witzig. Natürlich enthält es wieder die fünf Stufen der sibirischen Evolution: Vorzeit, Gründung durch Kosakenführer, Zarenzeit (inkl. Zarenbesuch), kommunistische Revolution,

vaterländischer Krieg. Interessant war für mich die Darstellung der vielen indigenen Völker und ich habe etwas dazugelernt: Das Wort „Schaman“ kommt aus dem Ewenkischen, wurde in die russische Sprache übernommen und danach vom Rest der Welt. Am Baikalsee gibt es einen wichtigen schamanischen Ort, dort hoffe ich, einen echten Schamanen zu treffen.

Im Kulturzentrum wollte ich mir eigentlich die Ausstellung über Russlanddeutsche anschauen – gab es aber nicht mehr, nur eine krude Mischung aus Kriegsinstallationen, Leninhistorie und riesigen auf 2x3m gestrickten Bildern. Stattdessen habe ich einen

echten Russlanddeutschen getroffen, Fridrich Schmidt, ein älterer distinguierter Herr, der sich sich ein Loch in den Bauch gefreut hat.

Dampfschiff St. Nikolaj
Dampfschiff St. Nikolaj

Nicht weit entfernt liegt die St. Nikolaj, die einst den künftigen Zaren Nikolai II beher-bergte und sechs Jahre später Lenin in die Verbannung brachte.

Am Morgen der Hinrichtung der Strelizen
Am Morgen der Hinrichtung der Strelizen

Bekanntester Sohn der Stadt ist der Kosake Wassili Surikov (1848-1916) – eine Ikone der russischen historischen Malerei. Jedes Kind kennt seine Hauptwerke, die ich in der Tretjakow Galerie in Moskau kennenlernen durfte. Hier hat ein kleines Museum seinen Namen mit einigen weniger bedeutenden Werken.

Absolutes Highlight war der Nationalpark Stolby. Ein Bruchteil der Gesamtfläche von 47000 Hektar sind zugänglich. Berühmt ist er für seine 80 bis zu 100m hohen Granitfelsen – ein Eldorado für Bolder. Man

Aussicht auf Granitfelsen
Aussicht auf Granitfelsen

kommt mit dem Bus ziemlich nah ran (2,5km) und muss dann noch zu Fuß 7km bis zu den ersten Felsen laufen. Ich hatte wenig Lust den gleichen Weg zurückzugehen und dank Karte bin ich über einen

Stolby = Pfähle = Granitfelsen
Stolby = Pfähle = Granitfelsen

endlosen Kamm auf die andere Seite des Tales gelaufen (11km) – das hat außer mir keiner gemacht. Ich war ganz allein und konnte die unberührte Natur genießen, inklusive dem größten Kuckuck-Konzert, dass ich je gehört habe. Einmal musste ich auf einen der Felsen steigen, um die Aussicht zu sehen. Da es kurz geregnet hatte, alles rutschig war und ich meiner Mutter versprochen hatte, keinen Scheiß zu machen, bin ich auf allen vieren hochgekrochen und auf dem Arsch wieder runtergerutscht – die Hosen gestrichen voll. Auf der anderen Seite des Tales gibt es eine Seilbahn, da war dann plötzlich alles voller Leute. Als ich ein Ticket kaufen wollte – hahaha – ging das nicht, es gibt nur hoch und runter, da keiner bis dahin läuft. Also bin ich einfach fein umsonst runter. Oben hatte ich

noch zwei Jungs aus Tomsk kennengelernt. Der eine konnte etwas deutsch aus der Schulzeit und die Mutter des anderen hat einen Deutschen geheiratet und lebt in der Nähe von Frankfurt und arbeitet als Altenpflegerin – ich habe dann per WhatsApp mit ihr gesprochen. Beide sind voll die Europa/Deutschland-Fans und würden am liebsten gleich morgen ausreisen.

5 von oben, 2 von rechts
5 von oben, 2 von rechts

Meine Unterkunft war typisch krasnorjarskisch: verfallener Wohnblock mitten im Zentrum, aber immerhin warmes Wasser.

Noch ein kleines russisches Kuriosum:

In den Supermärkten ist jede Alkoholflasche einzeln gesichert, auch wenn sie nur 10€ kostet – scheint beliebtes Diebesgut zu sein.

Gesicherter Alkohol
Gesicherter Alkohol

Nachtrag von der Transsib:

4-Bett Abteil
4-Bett Abteil

Obwohl ich dritte Klasse gebucht hatte, hatte ich ein 4-Personen Abteil für mich, das war wirklich sehr gemütlich und ich habe die Fahrt sehr genossen, bis dann um 3 Uhr nachts noch ein Mann zugestiegen ist – immerhin.

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