Mongolei – Unendliche Weiten

Die große Einsamkeit
Die große Einsamkeit

Der zweiwöchige Ausflug in die Zentralmongolei und in den Süden hat alle meine Träume erfüllt und mehr.

Die "Straßen" von Irgendwo nach Nirgendwo
Die „Straßen“ von Irgendwo nach Nirgendwo

Obwohl wir in dieser Zeit 2.000 km zurückgelegt haben, konnten wir nur einen kleinen Ausschnitt der Mongolei sehen. Doch selbst in diesem Ausschnitt konnten wir eine unglaubliche Vielzahl an Landschaften bewundern: Wüsten, Steppen, Taiga, Gebirge, Wälder, Hochebenen, Auen – mit majestätischen Sanddünen, Wasserfällen, Schluchten, Täler, Klippen, vulkanischen Feldern, Wiesen. Erstaunlich waren besonders die alpinen

Hochgebirgsregionen, da man sich sofort in die Alpen versetzt fühlte mit identischer Flora und Fauna, nur dass hier Felder voller Edelweiße blühen. Die

Im UAZ geht nur Reißverschlussprinzip...
Im UAZ geht nur Reißverschlussprinzip…

mühsamen Fahrten über unbefestigte Trampelpfade waren zwar schweiß-raubend durch ununterbrochenes Geruckel und Hitze, doch immer wieder spannend und interessant. Entweder haben wir enge

Frugale Mittagspause mit wenig Schatten
Frugale Mittagspause mit wenig Schatten

Schluchten auf den Zentimeter genau durchquert, sind senkrecht oder waagerecht Geröllfelder hochgekrochen, Flüsse durchfahren, sind selbst stecken geblieben oder haben andere beobachtet, wie ihr Auto voller Wasser lief. Unser UAZ hatte zwar

keinerlei Komfort, hat uns aber dafür auch nie im Stich gelassen. Unsere zwei findigen Ingenieure im Team haben für praktische Lösungen gesorgt, die uns das Leben etwas erleichtert haben. Neben diesem Paris/Dakar-Feeling gab es natürlich während den

Kamelherde vor der Singenden Düne
Kamelherde vor der Singenden Düne

langen Fahrten auch eine Unmenge der erstaun-lichsten Landschaften und Tiere zu beobachten. Erstmal gibt es überall nur die grenzenlose Weite,

Der Ort Mandalgobi
Der Ort Mandalgobi

in der ab und zu mal ein Ger (mongolische Jurte) auftaucht. Die „Städte“ sind äußerst selten und verdienen kaum den Namen und erinnern eher an den wilden Westen. Je nach Landschaft grasen über die Weiten die Herden der Nomaden. Völlig auf sich allein gestellt müssen sie sich selbst versorgen, nur abends werden sie entweder

Yakherde
Yakherde

mit Pferden oder vermehrt auch mit dem Motorad zum Ger getrieben und gemolken.

Die Herden bestehen immer aus Pferden, Schafen und Kaschmirziegen. Im Süden kommen die baktrischen Kamele hinzu und im Zentrum Yaks. Im Sommer

Abtrieb der Herde in 90km entfernte Ger

ernähren sich die Nomaden überwiegend von Milch-produkten in den ungewöhnlichsten Formen. Das meiste ist für uns eher ungenießbar und schmeckt wohl erst, wenn man so ein Jahr vor Ort lebt. Sehr lecker war eine Art Clotted Cream und am besten hat mir die Yakmilsch gemundet. Im Winter wird geschlachtet, wobei meistens Hammel oder Ziege

auf den Tisch kommen. Da der Hammelgeschmack sehr streng ist und mit viel Fett, ist auch dies eher gewöhnungsbedürftig. Da wir die meiste Zeit bei

Nobel-Ger mit Fladenbefeuerung
Nobel-Ger mit Fladenbefeuerung

Familien im Gäste-Ger unterge-bracht waren, konnten wir alles hautnah erleben. Neben dem „normalen“ Essen haben wir noch irgendeine Form von Gemüse oder mal eine Mandarine bekommen – wegen der kulinarischen Genüsse muss man sicher nicht in die

Mongolei fahren. Ein Highlight für mich war, als wir bei der Schlachtung eines Schafes zusehen konnten. Das ist Männersache und für gebärfähige Frauen verboten. Der „Leise Tod“ ist wirklich absolut geräuschlos, blutlos und ganz friedlich. Das Schaf hat nicht einmal gezuckt oder geblöckt, als ihm der Körper aufgeschnitten wurde, der Mann das Herz in seine Hand nahm und noch dreimal gepumpt hat. Das ganze spielte sich nur zwei Meter vom Eingang des Hauptgers ab. Nachdem das Tier tot war, guckten auch die kleinen Kinder bei der Verarbeitung zu und die Frauen wuschen das Geschirr. Leider habe ich die Bilder alle mit meiner guten Kamera aufgenommen.

5cm große Heimchen
5cm große Heimchen

Überhaupt sind alle Bilder der Wildtiere auf der Sony, daher zeigen die Bilder nur einen kleinen Teil dessen, was wir gesehen und erlebt haben. Neben den unterschiedlichsten Landschaften haben wir – bis auf Schnee – auch alle Wetterextreme durchgemacht. In der Mittagshitze der Wüste ist es in den Zelten sehr heiß und man sehnt den Abend herbei. Durch das Umschlagen des Filzes in Bodennähe entsteht etwas Durchzug. Einmal wurden wir bei einer Wanderung von einem schweren

Hagelsturm überrascht und sind wie die Kannickel in ein fremdes Ger geflüchtet. Man hat uns freundlich aufgenommen und wir saßen dann im Dunkeln im Ger, während von unten das Wasser reinlief. „Zuhause“ haben wir dann alles auf die Betten geworfen und es zog wie Hechtsuppe. Netterweise haben unsere Gastgeber den Ofen mit Holz befeuert. Leider immer mit einer großen Menge, so dass es in kürzester Zeit wie in der Sauna war, aber das Holz nicht über die Nacht gereicht hat. Ich habe zwar im Schlafsack nicht gefroren, doch gefröstelt und gerade

Doppelter Regenbogen
Doppelter Regenbogen nach Unwetter

am Morgen war es ziemlich unangenehm. Während wir beim Unwetter in Zelt drängten und durch die Tür nach draußen äugten, trieb die Gastfamilie stoisch die

Hirte
Hirte

Tiere zusammen. Besonders beeindruckt hat mich ein ca. 2 1/2 – jährige Junge, der nur mit einem Leibchen bekleidet bis in die Nacht klitschnass durch die Pfützen sprang – jedes deutsche Kind während danach an einer Lungenentzündung gestorben. Überhaupt fällt die zurückhaltende Art der Mongolen auf. Ob es sich hierbei um Ausgeglichenheit, Phlegma oder Ignoranz handelt, ist schwer zu sagen –

Pferdeherde beim Ger
Pferdeherde beim Ger

wahrschein-lich eine gute Kombination aus allem. Das Leben der Mongolen und ihrer Tiere ist hart. Die Mongolei ist ein Entwicklungsland und noch immer ist die

Kamelherde am Ger
Kamelherde am Ger

Kindersterb-lichkeit und die Analpha-betenquote hoch. Erstaunt haben mich die sanitären Anlagen: Eine umgedrehte Flasche zum Zähneputzen ist alles. Die Plumpsklos gehören für mich zum Widerlichsten was ich bisher erlebt habe – meistens sind wir einfach in

Badezimmer in der Natur
Badezimmer in der Natur

die Natur entwichen. Neben der einnehmenden Landschaft fällt auf, dass alle Nomaden dieselben Tiere haben, die in großen Herden das Land bevölkern. Züchter bekommen Urkunden für die Erhöhung des Viehbestandes, dabei ist das Land bereits von

Jeder hat einen Baum gepflanzt.
Jeder hat einen Baum gepflanzt.

Desertifikation bedroht und die vielen Hufe zerstören die oberste Vegetationsdecke und die Überweidung gibt der Landschaft den Rest. Der Holzbedarf im Winter ist enorm, doch nirgendwo wird wieder aufgeforstet, noch gibt es Ansätze zur

Tradition und Moderne
Tradition und Moderne

nachhaltigen Nutzung. Bis auf die Solarpanel, die für Strom und Unterhaltung sorgen und die motorisierten Untersätze sehe ich wenig Zukunfts-weisendes und ich kann mir kaum vorstellen, dass dieses Leben so weiterbestehen kann. Wie in Griechenland und Italien fragt man sich, wie dieses Land einmal das größte Weltreich der Menschheitsgeschichte erschaffen konnte. Eine kleine Antwort bekommt man

Naadam in großer Kulisse
Naadam in großer Kulisse

auf den lokalen Naadams. Ich hatte zwar schon das große Naadam in Ulaanbator gesehen, doch die lokalen geben einen viel besseren Eindruck in die Gepflogenheiten. Jeder engagiert sich hier mit

Tanz- oder Musikeinlagen oder gespendetem Essen. Honoratioren richten die Spiele aus. Jungs im Alter bis 9 Jahre galoppieren spielend die 12km im Wettrennen und reiten lachend ins Ziel, wo der Sieger neben der Ehre einen Fernseher oder eine Motorrad bekommt. Die Männer des Umgebung können sich unter den Rufen ihrer Nachbarn mit den professionellen

Orkhon Wasserfall
Orkhon Wasserfall

Ringern messen. Hier sieht man viel nacktes, muskelbepacktes Fleisch und die Schrecken des Hunnensturms scheinen möglich. Zu einem Naadam sind wir vom Orkhon Wasserfall mit den Pferden durch Flüsse und über Ebenen geritten. Auf dem Rückweg hatten alle anderen die Faxen dicke und ich

bin allein mit unserer Führerin und einem aus der Gastfamilie zurück mit den Pferden. Ich hatte etwas Fracksausen, da ich das letzte Mal als Teenager geritten bin. Die beiden Mongolen waren schnell weit weg und ich bin mit meinem Pferdchen über die Weiten getrabt. Die unbeschlagenen Pferde haben sogar ein Geröllfeld überquert. Zwischendurch habe ich meinen widerspenstigen Gefährten dazu gebracht, mit mir im Galopp über die Landschaft zu preschen – ich, wie die Mongolen, im Sattel stehend. Das ist eine der schönsten Erinnerungen für mich, verbunden mit

Zeremonie auf dem Hügel
Zeremonie auf dem Hügel

dem Gefühl der Freiheit. Vor dem Naadam durften wir noch an einer schamanischen Zermonie auf einem Hügel teil-nehmen, auch ein besonderer Moment. Neben den

Schamanische Zeremonie am Ovo
Schamanische Zeremonie am Ovo

Nutztieren haben wir diverse Greifvögel, Geier, Kraniche, Ziesel, Wühlmäuse, Gazellen, Wildziegen,

Füchse, Agamen, Eidechsen und Mutantenheimchen gesehen. Neben der Landschaft und dem Leben der Nomaden haben wir natürlich auch ein paar kulturelle Sehenswürdigkeiten besichtigt. Mich haben dabei

Aufstieg zu den Petroglyphen von Khavtsgait
Aufstieg zu den Petroglyphen von Khavtsgait

besonders die Petroglyphen, die Hünengräber aus der

Hünengräber
Hünengräber

Bronzezeit und die flammenden Klippen von Byanzag begeistert. Hier wurden neben vielen anderen Dinosauerierrelikten die ersten Nester gefunden.

Die Heimat der Dinosauriereier!
Die Heimat der Dinosauriereier!

Abschluss und Traum meiner Kindheit: Kharakorum – die Hauptstadt des Mongolenreiches. Leider ist bis auf

Die Schildkröte mit dem Weltenberg auf dem Rücken
Die Schildkröte mit dem Weltenberg auf dem Rücken

ein paar Steinschildkröten und Grundsteinen kaum etwas erhalten geblieben. Die meisten Steine wurden im angrenzenden Kloster Erdene Zuu verbaut. Die

Tempel im tibetischen Stil
Tempel im tibetischen Stil

Ergebnisse des Ausgrabungen können in einem nahen Museum besichtigt werden.

Das mongolische Erfolgsrezept: Der Kompositbogen
Das mongolische Erfolgsrezept: Der Kompositbogen

Wenn man bereit ist, für einige Zeit auf Komfort und gutes Essen zu verzichten, ist die Mongolei auf jeden Fall eine Reise wert und kaum ein Mensch wird nicht mit neuen Erfahrungen und berüht nach Hause fahren. Für mich war

Traditionelles Spiel aus Fußknochen des Schafs
Traditionelles Spiel aus Fußknochen des Schafs

besonders schön, dass nach den Monaten der Einsamkeit zwei Freundinnen den Trip mit mir unter-nommen haben. Noch eine befreundete Arbeitskollegin ist dazugestossen und schwupp, waren wir eine Gruppe aus vier

Kamelritt
Kamelritt

Frauen in ungefähr demselben Alter, gleichen Hintergrund und der typisch deutschen perfekten

Nach erfolgreicher Besteigung!
Nach erfolgreicher Besteigung!

Ausstattung. In der ersten Woche begleitete uns noch Ming-Shan, eine junge Frau aus Taiwan. Nicht in der Form auf die Anforderungen eines solchen Trips vorbeitet wie wir, aber sehr nett. War bestimmt nicht immer sehr einfach für sie mit pausenlos deutschquatschenden

Garuda-Tanz zum Eis in der Gobi.
Garuda-Tanz zum Eis in der Gobi.

Weibern, dafür haben wir sie mit Müsliriegeln und Shampoo über Wasser gehalten. Außerdem hatten nur wir Geschenke für die Familien dabei. Auch nach ihrer

Abreise blieb die Gruppendynamik stabil. So schön es mit Freunden ist: 7 Tage die Woche, 24 Stunden in ungewohnten Situationen können anstrengend sein.

Doch wir haben alle Klippen umschifft – zumindest reden wir noch miteinander :-). Als ich nach einem Softeis (blöde Idee) mir unter einer wunderbaren Milchstraße die Seele aus dem Leib in die Botanik gekotzt habe, wäre ich am liebsten allein vor einer schönen weißen Toilette gelegen. Das ging Gott sein Dank vorbei!

Geschafft! 200m hoch auf dem Kamm der Düne
Geschafft! 200m hoch auf dem Kamm der Düne

Hier noch einmal Bilder, die irgendwie thematisch nicht reingepaßt haben, aber trotzdem schön sind:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.