Olchon – Baikalsee

Robbe am Strand
Robbe am Strand

Wenn der Baikalsee das Herz Sibiriens ist, so soll die Insel Olchon das Zentrum des Baikalsees sein. Meine Reiseführer versprachen unberührte, abwechslungs-reiche Natur, in der sich die wenigen Touristen verlieren. In meinen zwei Wochen hier wollte ich in die russische Natur eintauchen und die Stille genießen –  es sollte ein wenig anders kommen. Zuerst ein kurzer Abriss zur Entwicklung zum Verständnis der

Kurykanen + Blick aufs Festland
Kurykanen + Blick aufs Festland

Gesamtlage: Es finden sich sowohl neolithische Spuren, als auch Mauern, Gräber und Opferstätten vom geheim-nisvollen Volk der Kurykanen. Später flohen sie vor den Mongolen unter Dschingis Khan und die Insel

wurde von den Burjaten in Besitz genommen. Nach ihrer schamanischen Religion ist der Felsen neben dem Hauptort Khuzir der irdische Sitz einer ihrer

Sitz eines Gottes auf Erden
Sitz eines Gottes auf Erden
Heiliger Ort
Heiliger Ort

höchsten Götter, überhaupt war die gesamte Insel ein heiliger Ort und deswegen kaum besiedelt – vor allen Dingen nicht beim Haupt-heiligtum. Die Russen haben dann gleich erstmal Khuzir direkt neben dem Schama-nenfelsen gegründet und die Haupteinnahmequelle war eine subventionierte Fisch-fabrik, die im Zuge des Untergangs des Sowjetreiches pleite ging. Seit 2007 gibt es hier erst Strom, fließend

Wasser oder asphaltierte Straßen immer noch nicht. Das Wasser pumpen Lastwagen aus dem versifften Hafen und bringen es zu den Häusern. Obwohl das

Wasserversorgung
Wasserversorgung

Baikalwasser eigentlich Trink-wasser ist, habe ich mir sofort Wasser aus Quellen gekauft. Es gibt hier drei Arten von Vegetationsformen: karg, kärger und am kärgsten. Die versprochene Stille ist eine Todesstille. Bei meinen 30km Märschen über sonnenverbrannte Ebenen ist kein Laut zu hören: keine Vögel, keine Insekten und erst recht

Mein Fußweg
Mein Fußweg

kein Rascheln von Blättern. Außer Murmeltieren und einem Fuchs habe ich kaum Tiere gesehen. Einmal gab es ein Tal mit vielen Schmetterlingen, das war mal eine echte Abwechslung von der Einöde.

Idylle
Idylle

Ansonsten trift man immer wie-der auf Herden von Kühen und Pferden, die frei über die Landschaft ziehen und sich manchmal das Essen brüderlich mit den vielen streunenden Hunden teilen.

Die wenigen verbliebenen Burjaten leben genauso (nur noch etwas erbärmlicher) wie die Russen. Nur für die Touristen führen sie am Abend ein kleines Ethnospektakel auf. Traditionell nomadisch lebende

Burjatisches Dorf
Burjatisches Dorf

Burjaten gibt es nur noch in der Mongolei. Die meisten Russen (1.600) leben entlang der staubigen

Hauptstraße von Khuzir
Hauptstraße von Khuzir

Hauptstraße in herunter-gekommenen Hütten und zwischen Müll. Im kauzigen Heimatmuseum bei der Schule kann man neben verfaulenden Zombietieren an den Fotos sehen, dass sich fast nichts verändert hat. Der Slum erwacht zum

Leben, wenn am Nachmittag die Touristen von den Bussen aus Irkutsk ausgespuckt werden. Im Gegensatz zu den Tagestouristen in Listwanka, bleiben die meisten hier 1 bis 3 Tage. In dieser Zeit werden sie tagsüber in graue UAZ (russische Kleinbusse) gestopft und zu den „Sehenswürdigkeiten“ im Pulk gefahren.

Blick auf das große Meer am Hoboj Kap
Blick auf das große Meer am Hoboj Kap

Das bedeutet: fahren, aussteigen, Kliff, Foto, Baum, Foto, Kliff, Foto, Berg, Foto und entbehrt jeder Magie. Bei jedem Ausflug gibt es die gleiche dünne Fischsuppe und viel durchgeweichtes Weißbrot mit wenig Käse. Während meines Aufenthaltes habe ich

Küstenlinie
Küstenlinie

die gesamte Insel mit dem Bus und zu Fuß erkundet und ich kann eines mit Sicherheit sagen – kein

Mensch muss nach Olchon kommen. Absurd und interessant waren allein die ausländischen Touristen aus wirklich aller Herren Länder. Die vielen Gespräche und gemeinsame Aktivitäten habe ich sehr genossen.

Highlight waren die Massen an Südkoreanern, so eine Art Chinesen auf Speed. Ihr deutscher Lieblingsfilm war „Der Tunnel“ und uns verband das Erlebnis eines geteilten Heimatlandes. Die meisten Russen fahren an

Strand bei Khuzir
Strand bei Khuzir

Khuzir vorbei und campen wild an den vielen romantischen Buchten oder wohnen in den eilig hochgezimmerten Holzhäusern in Strandnähe. Aber Obacht: die Strände sich zwar wunderschön, doch das

Wasser ist leider viel zu kalt zum ausgiebigen Baden. Tourismus nach unseren Vorstellungen gibt es in Russland nicht – kein Service, keine Infrastruktur, niedriger Standard.

Ostküste
Ostküste
Küste am gegenüberliegenden Festland
Küste am gegenüberliegenden Festland
Das "kleine Meer" zwischen Festland und Olchon
Das „kleine Meer“ zwischen Festland und Olchon
Serge am Schamanenfelsen
Serge am Schamanenfelsen

Ein kleines Abenteur war die Anreise. Erstmal haben wir einen Stopp eingelegt, da unser burjatischer Busfahrer bei einer Panner ausgeholfen hat. Danach prallte ein riesiger Stein auf die Windschutzscheibe und der Fahrer und ich waren mit Scherben überseet. Während der Überfahrt war ich ziemlich dankbar, daß uns nichts passiert ist.

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