Nowosibirsk – km 3343

Romanow Kapelle
Romanow Kapelle

Nowosibirsk ist die Hauptstadt Sibiriens und eine kleine Kapelle, die 1915 zur Ehren der Romanow-Dynastie errichtet wurde, bildet den geografischen Mittelpunkt Russlands. Ihre Geschichte ist typisch: 1930 durch ein Stalindenkmal ersetzt und zum 100-jährigen Stadtjubiläum originalgetreu wiederaufgebaut. Da die Stadt erst 1893 gegründet wurde,

Brücke über den Ob
Brücke über den Ob

als man einen Übergang für die Transsib über den Fluss Ob brauchte, sucht man hier historische Bauten meist vergebens. Das zweitälteste Steingebäude ist jetzt ein Museum, ansonsten stehen verottende Holzhäuschen verloren zwischen den Neubauten.

Trotz dieser Neubauten wirkt Nowosibirsk erstaunlicherweise freundlich – vielleicht wegen der vielen Grünanlagen und der großzügigen Bauweise. Natürlich gibt es auch hier den üblichen Plattenbau, der einem zum Teil das Fürchten lehrt. Wie in allen

Städten Russlands wacht immer mindestens ein Lenindenkmal, eine Lenin + Karl Max + Spartakus (Spartak) Straße. Als Hauptstadt besitzt Nowosibirsk die einzige Metro in ganz Sibirien und viele Länder engagieren sich hier – auch Deutschland. Die

Deutsche Botschaft
Deutsche Botschaft

Botschaft ist im häßlich-sten Gebäude der ganzen Stadt unter-gebracht. Hier konnte ich mal wieder Touristengruppen beobachten. Ein Schwarm Chinesen fotografierte die Highlights im Sekundentakt und kroch jugendlichen Akteuren fast unter die Haut. Als

ich am Abend in der Oper mir „La Bajadere“ angeschaut habe, lichtete hier eine große Gruppe rein männlicher Japaner alles ab. Ich meine auch, den einen oder anderen Deutschen gesichtet zu haben. Am

Größte Oper Russlands
Größte Oper Russlands

schlimmsten war eine Gruppe älterer Herrschaften aus Bayern mit Bierbauch und Outdoor-Klamotten, die auf dem Ausflugsschiff auf dem Fluß Ob auftauchen. Trotz meiner Sehnsucht nach Austausch, konnte ich mich nicht überwinden diese anzusprechen.

Da die Transsib auf meiner Reise und für Nowosibirsk eine so große Rolle spielt, habe ich mir zwei Museen angeschaut. Im ersten konnte man sehr schön die Entwicklung des Bahnhofs sehen, der heute der größte entlang der Transsib ist. Natürlich gab es

Der neue Bahnhof
Der neue Bahnhof

wie immer einen eigenen Bereich zum Krieg, inklusive der ewigen Flamme.

 

 

Stalin, Lenin und ich
Stalin, Lenin und ich

Beeindruckender war das zweite Museum, in dem sich ausschließlich echte ausrangierte Eisenbahnen befanden. Bis auf die Bolleröfchen hat sich am Design nicht viel geändert. Besonders interessant war der rollende Operationssaal und etwas gespenstisch der Gefangenentransport – ich denke da gleich an GULag.

Dieses Museum liegt in der Stadt Akademgorodok (wissenschaftliche Stadt), heute ein grünes 70.000 Seelen Städtchen und als Silicon Taiga bekannt. 1957 wurde die Stadt 25km südlich von Nowosibirsk nach dem Campus Prinzip von der Akademie der

Privilegiertes Wohnen
Privilegiertes Wohnen

Wissenschaften gegründet, als privilegiertes Wohnen und Leben für die Elite der Wissenschaftler: 60.000 + Familie = 200.000 Menschen. Die großzügigen Einfamilienhäuser waren sicher der Traum eines jeden Sowjetbürgers. Mit dem Ende der UDSSR gingen die

meisten Wissenschafter ins Ausland, doch jetzt geht es wieder aufwärts dank Förderung und Aufträge aus dem Ausland. Es gibt ein Informationszentrum über die Leistungen der 30 Institute, die sich alle an den Seiten der Ringstraße befinden. Hier steht auch das berühmte Lomonosov Zitat, dass der Reichtum Sibiriens die Macht Russlands stärken wird. Natürlich war ich mal wieder allein, das Zentrum wurde extra aufgeschlossen und eine Dame nahm sich sehr viel

Zeit, mir alles zu erklären. Natürlich haben wir viel über anthropologische Themen gefachsimpelt, aber sie zeigte mir auch ein Geschenk von Putin an Schröder zur Hannover Messe und sprach von der intensiven Zusammenarbeit mit dem Max-Plank-Institut.

Weg zum Meer
Weg zum Meer

Danach wollte ich mir noch das obsche Meer (ist ein Stausee der Ob) anschauen, der nur 200 Meter von der Stadt entfernt liegt und dachte an eine schöne Uferpromenade – Pustekuchen. Es ging noch eine Brücke über die Schnellstraße, dann stand ich im Wald. Ich habe dann einen Stein zur Verteidigung genommen und bin Richtung Meer getrottet. Das war wunderschön und völlig verlassen. Ich bin dann so

Das obsche Meer
Das obsche Meer

2km bis zu einer Landzunge gewandert und habe dann versucht, mich wieder durch den Wald zur Zivilisation durchzuschlagen – zwischendurch hatte ich leichte Panikanfälle. Hat aber alles geklappt…

Fleischauktion
Fleischauktion

Eine andere Überraschung war auch der riesige Zentralmarkt auf drei Ebenen in dem man alles kaufen

Die Mall
Die Mall

kann, was man zum Leben braucht. Es herrschte viel Trubel, alles war voll mit Menschen und natürlich Dreck und Gestank – ich kam mir vor wie im Mittelalter. Direkt gegenüber ist eine super hippe Shopping Mall, alles picobello und leer: der totale Kontrast. Trotzdem muss ich gestehen, dass ich mich hier doch sehr wohl gefühlt habe und bei einer Art russischen MCDonals eine Mahlzeit genossen habe.

Eine Überraschung war auch meine Wohnung: voll veratzt, kein warmes Wasser, von zwei Kochplatten tat es eine garnicht, die andere schlecht, die Matratze voll durchgelegen auf einem Brett. Der Weg in der Dunkelheit führt durch Hinterhöfe mit Hecke, Nischen und einer offenen Müllkippe. Ich weiß nicht, wovor ich mehr Respekt hatte, den Rudeln betrunkener Jugendlicher oder den Ratten.

Noch eine kleiner Nachtrag von der Transsib. Es gibt pro Abteil immer einen Samowar an dem sich alle Reisenden bedienen – für Kaffee, Tee oder Fertiggerichte. Ich mache mir meist Instantkaffee und Kartoffelpü mit Hähnchen – yummie!

Omsk – km 2676

30 Grad im Schatten
30 Grad im Schatten

Gestern hatte ich einen dieser raren Momente, die man wohl am besten mit „Gnade“ umschreibt. Es war eigentlich mein Museumstag gewesen, auf den ich mich sehr gefreut hatte, doch alle Museen blieben weit hinter meinen Erwartungen zurück:

I. Das Wrubelmuseum hatte nur zwei Werke ihres bekannten Sohnes im Angebot. Da hatte die Tretjakow-Galerie in Moskau viel mehr zu bieten. Immerhin gab es ein Denkmal…

DAS Militär-Krankenhaus
DAS Militär-Krankenhaus

II. Das Dostojewski Museum sollte eigentlich über die Jahre in der Verbannung im Lager in Omsk informieren, aber es gab fast keine Infos, nur allgemeine und die kannte ich bereits aus Petersburg. Seine Erfahrungen hat er im dem Roman

„Aufzeichnungen aus dem Totenhaus“ verewigt: Ein wirklich lesenswertes Buch! Es ist anbetungswürdig, wie der Autor den menschenverachtenden Lebensumständen trotzt und sich seine Lebensfreude und Menschliebe erhält.

Deutsches Heim
Deutsches Heim

III. Das Heimat-museum hatte mal wieder eher Retrocharm und kann getrost als analog bezeichnet werden. Interessant war nur der Bereich über die unterschiedlichen Völker, die in der Nähe von Omsk gesiedelt haben. Eine eigene Darstellung ihrer

Lebensweise hatten nur die Kasachen, Tartaren und die Deutschen. Plötzlich stand ich in einem Raum voller Spitzendeckchen mit deutschen Sinnsprüchen. Die Deutschen waren die drittgrößte Bevölkerungsgruppe und unter Katharina der Großen ins Land gekommen.

Wahrscheinlich war ich enttäuscht, müde von der fünften Stadt und etwas einsam, als ich ans Ufer ging und GEO lesen wollte. Da spielten plötzlich die Omsker Sinfoniker vor einer hingebungsvollen Menge und ich habe eine Stunde lang die wunderbarsten Klassiker genossen.

Konzert am Fluss
Konzert am Fluss

Trotzdem bin ich nicht heimisch in Omsk geworden, vielleicht liegt es an mir oder an der Stadt. Zuerst zur Stadt: Omsk ist freundlich, hell und grün wie

Links der Ort der Holzfestung
Links der Ort der Holzfestung

Jekaterinburg und trotzdem bodenständig wie Perm. Es gibt kaum Hochhäuser. Irgendwie ist die Stadt in ihrer Entwicklung stecken geblieben und wie eine Larve ist momentan vieles möglich, aber noch wenig sichtbar.

Vom Holzfort, dass der deutschstämmige Iwan Bucholz mal wieder auf Geheiß Peter des Großen 1716 an der Mündung vom Om (Namensgeber) und Irtys gegründet hat, ist nichts mehr übrig. Früher war hier die südliche Grenze von Russland. Erst die Kosaken unter dem Atamanen (Anführer) Ermak eroberten Sibierien für Russland – Gogol zeichnet in „Taras Bulba“ ein wunderbares Bild dieses Volkes. Von der steinernen Festung auf der anderen Seite stehen nur noch die Tore: einsam und verloren zwischen Ruinen.

Bald...
Bald…

Es fehlt also das Zentrum! Gerade renovieren sie die Flaniermeile und sollte sie jemals fertig werden, ist sie bestimmt eine der schönsten Straßenzüge Russlands. Doch momentan: nichts, noch einmal eine anständige Shoppingmall.

Auch der Schiffsausflug brachte keine Wende zum Besseren. Die Fluss ist zwar riesig und wunderschön, aber unter dem Gelärme gelangweilter Kinder und eisessender Heerscharen (Russen essen immer und überall Massen an Eis, meist in Kombination mit Zuckerwatte) zogen eine Stunde lang nur Plattenbauten an mir vorüber.

Wie überall auf der Welt..
Wie überall auf der Welt..

Interessant waren nur die kostenflichtigen (300 Rubel für 1h/20) Schwimmbäder und öffentlichen Strände. Zwischen Strandgut spielt sich hier das pralle Leben ab und Russen machen das, was alle Menschen bei warmen Wetter so tun.

Mein Zug
Mein Zug

Natürlich gab es mal wieder keine Ausländer und wie ein Fremdkörper verfolgte ich meine touristischen Ziele. Es ist Fluch und Segen zugleich, wenn man es schön zuhause hat. Ich habe gerne an meinem Buch und bei VRPE gearbeitet, genoß die WG mit meinem Sohn und den Austausch mit meinen Freunden. Jetzt erlebe ich zwar Kultur und Herausforderungen en masse, doch Geborgenheit und Nähe fehlen total. Ich könnte mir nicht vorstellen, so ein Leben auf ewig zu leben und freue mich schon auf die Heimat. Doch es sind noch drei Monate, mal sehen was die Zeit noch bringt…

Jekaterinburg – km 1816

Die heilige Zarenfamilie in der Kirche
Die heilige Zarenfamilie in der Kirche
Kreuz am Ort der Ermordung.
Kreuz am Ort der Ermordung.

Mein Aufenthalt in Jekaterinburg stand ganz im Zeichen der brutal ermordeten Zarenfamilie im Jahr 1918. Im Keller des Ipatjew Hauses wurde die siebenköpfige Familie niedergemetzelt. Später avancierte das Haus zur Pilgerstätte für Royalisten. Daher beschloss Boris Jelzin 1997 das Haus abzureißen – mit durchschlagendem Erfolg. Heute markiert die Stelle ein Kreuz mit der Inschrift: Falle, Russland, auf die Knie am Fuße des Zarenkreuzes. Dahinter erhebt sich die riesige „Kirche auf dem Blute“ in der die von der orthodoxen Kirche

heilig gesprochen Familie entweder einzeln oder „en gros“ angebetet werden kann. Sowohl oben, als auch im Keller befinden sich die entsprechenden Ikonen. Im Shop kann man auch kleine Ikonen für den

Der Ort der Verbrennung
Der Ort der Verbrennung

Hausgebrauch erwerben. Als wäre das ganze noch nicht genug, gibt es ca. 40km von Jekaterinburg entfernt den Wallfahrtsort „Ganina Jama“. Dort wurden die Leichen erst in einen Minenschacht geworfen, dann wieder herausgeholt, verbrannt, mit Säure übergossen und wieder verscharrt. Am Ort der Verbrennung stehen heute sieben Holzkirchen, die von Mönchen in Handarbeit errichtet wurden. Sie führen heute die Gläubigen durch die Anlage. Reliquien in der Hauptkapelle sind ein Goldkreuz des Zaren und ein

Priesterführung an der Grube
Priesterführung an der Grube

Ring der Tocher Olga aus der Grube. Auf dem Weg mit dem Bus dahin habe ich zwei sehr nette ältere Damen getroffen, die mich ausgiebig mit Insektenspray gegen die besonders tödlichen Zecken versorgt haben. Unser

Gespräch führte zur Begegnung mit meinem ersten ausländischen Touristen: einer Studentin aus Österreich, die schon oft in Russland war und daher Sprache und Kultur bestens kennt. Wir haben die zwei Tage gemeinsam verbracht und es war eine sehr angenehme Abwechslung, die Erlebnisse und Erfahrungen mit jemanden zu teilen, der ein tiefes Verständnis mitbringt.

Ich und mein "Band"
Ich und mein „Band“

Ein weiteres Highligt war die Grenze zwischen Europa und Asien. Auch hier sind wir mit dem Linienbus hingefahren, um dann mitten auf der Autobahn auszusteigen. Auf dem Weg durch ein kleines Wäldchen wurden wir von den Mückenschwärmen übermannt, dann waren wir allein zu zweit am Denkmal. Wenn man ein Band befestigt, hat man einen Wunsch frei.

In Ermangelung desselben habe ich mir mit einer Unterhose beholfen. Wie man sieht, sind es bis zum Ende meiner Reise noch genau 7000km.

"Mein" Buch
„Mein“ Buch

Da Jekaterinburg am Ural liegt und bekannt für seine geologischen Schätze ist, lag es nahe, das Geologische Museum und das Museum für Stein und Juwelierskunst zu besuchen. Beides waren mittelschwere Reinfälle: wenige und mittelmäßige Exponate. Im Geologischen Museum hat uns immerhin eine sehr nette ältere Damen herumgeführt

und uns mit Stolz ein deutsches Spektrometer von 1900 gezeigt – gute deutsche Qualität. Auch schwärmte sie für die deutsche Sprache, die so wunderschön sei. Eine ungewohnte Aussage, die ich in Russland aber nicht zum ersten Mal gehört habe. Besonders rührend war, dass im päläontologischen Teil alle Bilder von Hand gemalt waren und zwar alle abgemalt aus meinem ersten Buch aus Kindertagen über die Evolution (1973).

Shigir Idol
Shigir Idol

Dagegen erlaubte mir das Museum für Geschichte des Urals einen Einblick in die russische Seele. Auf jeweils einem Stockwerk war ein wichtiger Abschnitt in der Geschichte dargestellt. Die Frühzeit enthielt ein einzigartiges Idol von über 5m Höhe, das 10.000 Jahre alt ist. Danach kam die Zeit der Nomaden und Bauern, die von einem ethnischen Vielvölkerstaat geprägt wurde. Natürlich darf die

Sportliche Leistungen
Sportliche Leistungen

Erschließung des Urals durch Peter den Großen nicht fehlen. Im Anschluss geht es fast übergangslos um den Großen vaterländischen Krieg (II. Weltkrieg). Fast prophetische erscheint die Ausstellung über sportliche Erfolge. Auf der

höchsten Etage jedoch, das Erhabendste: eine ausfürhliche Information über die Suche nach den Leichen der Zarenfamilie.

Offene Anlagen
Offene Anlagen

Ansonsten gleicht die Historie von Jekaterinburg den anderen Städten auf der Transsib. Anfang 1700 im Auftrag Peter des Großen gegründet, um die Schätze Sibiriens zu gewinnen, dann Entwicklung zur

geschlossenen Industriestadt. Heute ist Jekaterinburg eine sehr großzügige, helle und grüne Stadt: Für mich eine Art kleineres, aber sympathisches Moskau. Auch

Jelzin Denkmal
Jelzin Denkmal

hier gibt es den Kontrast zwischen kleinen Holzhäusern und Hochhäusern. Ganz neu ist das Jelzin Center an der Jelzin Straße, benannt nach dem ersten russischen Präsidenten, der aus dem Ural stammt. Vom höchsten Bürogebäude hat man einen fantastischen Blick auf die Stadt. Außerdem gibt es auch hier ein Stadion für die WM 2018.

Meine Unterkunft war in der Nähe der Blutkirche in einer Wohnsiedlung.

Noch ein kleiner Nachtrag zu Perm:

Das Opernhaus
Das Opernhaus

Am letzten Abend war ich im russischen Ballet „Don Quichotte“. Obwohl die Handlung in Spanien spielte, wirkte alles sehr russisch. Bis auf die Primaballerina war die Leistung eher provinziell, aber das Publikum klatschte während der Aufführung bei jeder Gelegenheit und auch am Schluss gab es frenetischen Beifall – das fand ich sehr sympathisch.

Perm – km 1434

Die Crew und ich
Die Crew und ich

Grundsätzlich bin ich wegen zwei Dingen hierher gekommen:

– dem einzigen zugänglichen GULag in Russland

– Der Roman „Dr. Schiwago“ vom Literaturnobelpreisträger Boris Pasternak spielt in Jurjatino (= Perm)

Mischa, Bowa und die Bahnkatze
Mischa, Bowa und die Bahnkatze

Wenn man mit einem offenen Herzen irgendwo hinkommt, wird man schnell feststellen, dass man so viel mehr geschenkt bekommt. Es fing schon im Zug gut an. Mir gegenüber saß eine sehr nette Frau, die auch noch gut englisch konnte, daher haben wir uns lange unterhalten. Den 3-jährigem Sohn einer Mitreisenden störten meine geringen Russischkenntnisse nicht und wir haben uns blendend unterhalten. Neben uns gab er auch einen kleinen Hund und eine jungen Kater, mit denen das halbe Abteil gespielt hat.

Mein Vermieter konnte kaum englisch, es hat aber trotzdem alles bestens geklappt und wir haben viel gelacht. Diesmal bin ich im 12. Stock mit Blick auf die Stadt. Es gibt einen gefakten Kamin und eine Regendusche – ziemlich geil.

Perm und Kama
Perm und Kama

Da es keine Ausländer gibt, sprechen mich immer wieder Leute an und wollen wissen, woher ich komme und was ich so mache. Am lustigsten war es auf einer Bootsfaht auf dem Fluss Kama. Die jungen Stewards haben mich auf die Brücke eingeladen und dort haben wir 2/3 der Fahrt gequatscht, vom Ufer habe ich kaum etwas gesehen.

Auf dem Kama wurde schon früher das Kupfer aus den Minen und das Holz trasportiert. Perm (= fernes Land) ist damit groß geworden und eine bedeutende Industriestadt, daher war sie bis in die 1990 Jahre eine verbotene Stadt und hieß Molotow.

Jetzt erinnert sie ein bißchen an Städte wie Frankfurt: gräßliche Bausünden aus den 70igern und historische Bauten in wahlloser Kombination.

Historisches Perm mit Museum rechts
Historisches Perm mit Museum rechts

Es gibt eigentlich wenig echte Sehens-würdigkeiten, um so rührender fand ich es, wie sehr sich der Touristikbereich bemüht. Das gab es noch nirgendwo: überall stehen Säulen mit englischen Erklärungen, es gibt einen grün markierten Sightseeing-Weg, ein Touristeninformation und einen Plan auf englisch. Die historischen Bilder auf den Säulen haben mir sehr geholfen, das Jurjatino vor

meinen Augen auferstehen zu lassen. Für mich war es immer das letzte Kaff kurz vor dem Ende der Welt – mitnichten! Perm ist das Tor zum Ural und gerade erst der Anfang vom Ende der Welt!!!

Verschärftes Lager - Freigang
Verschärftes Lager – Freigang

Etwas 110km vom Perm entfernt befindet sich der GULag Perm 36. Ich bin da mit dem Taxi für 2.500 Rubel hin und war 2 1/2 Stunden auf dem Gelände – natürlich war ich der einzige Besucher. Ein älterer Bär von einem Mann mit Putin-Tshirt hat sich sehr viel Zeit genommen und mir alles erklärt. Sein eigener Vater war im benachbarten Dorf Kuchino in der Verbannung, ohne Pass konnte er nur zur Arbeit und das Dorf nicht verlassen. Seine Onkel wurden erschossen. Er selbst hat als Kind erlebt, wie ein Häftling beim Schnee schippen auf dem Dach den Frauen zugerufen hat, die bitterlich geweint haben.

Das Lager wurde in drei Phasen genutzt, am Ende gab es nur noch politische Häftlinge, erst 1988 wurde das Lager geschlossen. Es gab einen scharfen und einen verschärften Bereich. Die meisten Häftlinge waren mit der Holzbearbeitung beschäftigt, bei Temperaturen um die -50 Grad im Winter. Besuch war ein oder zweimal im Jahr erlaubt für 4 Stunden bis 3 Tage (dafür gab es spezielle Besucherzimmer).

Auf dem Rückweg durch eine weitgehend unberührte Natur haben wir am Straßenrand sogar eine Elch gesehen.

Im historischen Museum gab es wunderschöne Artefakte von den Skythen, die mich schon in Petersburg begeistert haben. Auch die Hündin Leica aus dem All hat es mir angetan.

Im naturhistorischen Museum konnten Funde aus der Gegend begutachtet werden. Natürlich habe ich mich in eine Amphibium namens Kamasucs, benannt nach dem Fluss Kama, verliebt. Wichtige Epochen der Welt sind für mich Perm, Trias, Jura, Kreide – die Zeit als die Dinosaurier lebten. Warum heißt das Perm wohl Perm?

Im Vergnügungspark liefen alle Kinder aufgebrezelt mit Schärpen zum Schulende herum. Die Masse stand wie zum meiner Zeit an der Raupe an – schöne Augenblicke, wenn das Verdeck runter geht.

Zum Schluss noch zwei Impressionen:

Nischnij Nowgorod – km 461

Frisur im Sturm
Frisur im Sturm

Ich habe mich sofort in Nischnij Nowgorod (Untere Neustadt) wohl gefühlt: die Ruhe, die steife Brise, der unbeschreibliche Ausblick auf den Zusammenfluss von Oka und Mütterchen Wolga. Auch das Apartment hätte nicht besser sein können.

Die Gründer: Fürst und Patriarch
Die Gründer: Fürst und Patriarch

Man kann sich gut vorstellen, warum dies für die Stadtgründer der ideale Platz für Ihre Burganlage (Kreml) war – der Warenaustausch lief über die Wolga und die Stadt wurde reich und mächtig. Früher hieß es: Petersburg ist der Kopf, Moskau das Herz und Nischnij Nowgorod die Tasche Russlands. Der Kreml ist mindestens genauso groß wie der Moskauer.

Die Zeiten des Warentransportes sind vorbei, es gibt aber eine Messe und eine bedeutende Industrie- und Rüstungsproduktion. Deswegen war die Stadt lange Zeit für Ausländer geschlossen.

Gorki-Denmal auf dem Gorki-Platz
Gorki-Denmal auf dem Gorki-Platz

In der Zeit hieß sie auch noch Gorki – nach dem bedeutenden Sohn der Stadt – und hier lebte der Friedensnobel-preisträger und Erfinder der Wasserstoffbombe Andrej Sacharow 6 Jahre in der Verbannung, unter ständiger Aufsicht des KGBs und in völliger Isolation. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir in der Schule über ihn gesprochen haben. Und dann stand ich in seinem Apartment – Hammer! Die Einrichtung ist fast wie bei meiner Großmutter. Von der Innestadt dauert es circa eine halbe Stunde mit dem Bus bis man in der Plattebausiedlung and der Peripherie angekommen ist.

Besonderheit ist das weiße Telefon. Es würde einen Tag vor dem Anruf von Gorbatschow installiert, der ihn aus der Verbannung nach Moskau zurückholte.

Nischnij Nowgorod ist eine wunderschöne Stadt mit vielen alten Kaufmannshäuser, von denen einige langsam verfallen. Es gleich ein bißchen der Situation in der DDR. Seit 3 Jahren herrscht die Krise und die Gelder wurden eingefroren. Trotzdem hat die Stadt vieles zu bieten.

In einer großen Einkaufsgalerie gibt es neben Deichmann ein geniales IMAX Kino. Ich habe Angry Birds dort angeschaut und die Ausstattung war 1a. Neben die Mall wird an einem Fußballstadion für die WM 2018 gebaut.

Immer wieder findet man Hinweise auf die WM, das ist eine sehr wichtige, hochpatriotische Sache für Russland.

Blick von der Stadt weg
Blick von der Stadt weg

Grandios war auch die Seilbahn, die quer über die Wolga geht und fantastische Ausblicke bietet.

Dazu habe ich mir noch eine kleine Bootsfahrt gegönnt – nur ich und noch fünf andere Russen. Apropos Reisende: hier gibt es keine Ausländer, ich habe zumindest keinen einzigen gesehen und auch mein Vermieter meinte, dass ich der erste Ausländer seit langem bin. Auch auf der Transsib – Fehlanzeige.

Mein Bettchen im Zug
Mein Bettchen im Zug

Ich muss mal eine Lanze für die Russen brechen. Im Urlaub kommen sie ja manchmal laut und oberprollig rüber. Im eigenen Land sind sie absolut ruhig und zurückhaltend. Obwohl ich bisher in großen Mietskasernen gewohnt haben, war es immer mucksmäusenstill. Auch in den Bussen und ich der Bahn, alles bestens geregelt und keiner hebt die Stimme. Das kann man von der Deutschen Bahn nicht gerade sagen. Und alle Züge, Busse, Metros: superpünklich – kein Vergleich zu Deutschland.

Hier noch die Bilder zur Gorkis Kindheit. Bitte lest den Text, der erscheint, wenn man auf die Bilder klickt.

Weitere interessante oder witzige Impressionen:

Am letzten Tag habe ich mich noch auf dem Weg zum Open-Air Architekturmuseum gemacht, ungefähr auf der Hälfte zum Sacharow-Museum mußte ich aussteigen und fühlte mich wie in einem Vorort.

Untergeordnet
Untergeordnet

Mit den vielen Holzhäusern erinnert es mich an Bullerbü, alles ein wenig romantisch verwildert. Die ungebändigte Natur gefällt mir hier sehr gut, das ist es bei uns ein bißchen übergeordnet. Manches ist dafür in Russland leider untergeordnet.

Schöne Schnitzarbeiten
Schöne Schnitzarbeiten

Das Museum lag mitten im Wald: eine Ansammlung von Holzhäusern – Unterkünften und Wirtschaftsgebäuden. Alles nur mit der Axt, ohne Nägel gefertigt. Eine Kemmenate konnte man von innen sehen. Das Bett an der Decke genauso wie im Zuhause von Gorki. So haben die Menschen bis zur Neuzeit gelebt.

Noch ein kleiner Nachschlag aus Moskau:

Am letzten Tag war ich in einer alten, renommierten Banja. Super teuer, alles sehr edel. Vom Konzept her eher Essen und Sauna, Frauen und Männer getrennt. Leider gab es nur eine Sauna, in der mit Reisig der Körper abgewedelt wurde. Da ist mir doch die deutsche Sauna lieber: viele unterschiedliche Saunen und Aufgüsse.

Moskau – Der Abschied

Selbst der Müllmann hat keine bessere Sicht
Selbst der Müllmann hat keine bessere Sicht

Nach der Abreise von Isabelle hatte ich eine schwere Heimwehattacke, die – Gott sei dank – wieder vorüber ist. Trotzdem hatte ich kleine Sightseeing Ermüdungserscheinungen und habe es die Woche etwas ruhiger angehen lassen.

Die „echte“ Parade am 09.Mai habe ich kaum mitbekommen. Sie unterscheidet sich nicht von den zwei Probeparaden, die ich bereits gesehen hatte, außer, dass noch mehr gesperrt ist und die Menschen wie Ratten im Versuchslabor rumlaufen und versuchen näher an die Parade heran zukommen – ohne Erfolg. Besonderheit war diesmal ein Zug aus gutaussehenden weiblichen Soldatinnen in weißen knielangen Röcken – das erste Mal waren Frauen bei der Parade dabei. Bevor die Straßen danach wieder für die gemeine Bevölkerung geöffnet werden, fahren noch die Honratioren mit einem Affenzahn aus Moskau heraus.

Erst einen Tag später ist auf der Rote Platz wieder für die Allgemeinheit geöffnet und man kann noch die Übereste der Feierlichkeiten bestaunen. Auf der kleinen Tribüne sitzen die einzigen Menschen, die die Parade auf dem Roten Platz erleben können. Die meisten gucken entweder zuhause oder beim Public-Parade-Viewing.

Ich bin dann noch in den Zoo, der proppenvoll war.

Zuckerbäckerhaus und Monument aus Märchenmotiven
Zuckerbäckerhaus und Monument aus Märchenmotiven

Das übliche Treiben, was alle Familien mit lärmenden Kindern auf der ganzen Welt so machen. Ich habe mir einen Kwas gegönnt und mir besonders die Repitilien und Fische angeschaut. Highlight war eine Nachtzone, die war wirklich gut gemacht, leider konnte man natürlich nicht fotografieren.

Fast wie in Schweden
Fast wie in Schweden

Ein echter Ruhepol dagegen ist eines der wenigen erhaltenen hölzernen Herrenhäuser von Moskau – die Residenz von Tolstoi. Ein wunderschönes Haus mit der Originalmöblierung und einer verzaubernden Stimmung. Mitten in Moskau betritt man eine andere Welt voller Schönheit und Geist.

 

Ein weiterer modernen Klassiker – Bulgatov – lebte in einem Mietshaus direkt bei mir um die Ecke. Ich lese gerade sein bekanntestes Werk: Der Meister und Margaritha. Es fußt auf Faust Motiven und es spielt in „meinem“ Viertel. Die Wände sind über und über von Fans bekritzelt.

Was ich unbedingt noch sehen wollte war die Geheimdienstzentrale „Lubijanke“ (Name der Straße), in der schon Solzenischin eingesperrt und gefoltert wurde. Direkt davor ist ein Mahnmal für die Opfer des Gulag – sehr passend.

Nicht weit davon entfernt ist ein architektonisches Hotel Juwel, das Metropol mit Mosaiken von Wrubel auf der gesamten Fassade.

In einer unterirdisch gelegenen Galerie beim Kreml bieten Glaskuppeln fantastische Ausblicke und vor dem Kreml kann man die Sekunden bis zur WM 2018 ablesen.

Die Welt von unten
Die Welt von unten
Noch 764 Tage bis zur WM
Noch 764 Tage bis zur WM

Heute schließe ich meinen Aufenthalt in Moskau mit einem Besuch einer traditionsreichen Banja (=Sauna) ab. Dann geht es um Mitternacht nach Sibieren. Ich schwanke zwischen Panik und Vorfreude.

Moskau – Zu Zweit

Die Klosteranlage
Die Klosteranlage

Die letzte Woche stand ganz im Zeichen von Isabelles Besuch. Man kann es kaum glauben: Isabelle ist genauso ein Power-Sightseeing-Freak wie ich. Wir sind in dieser Zeit über 100km gelaufen (1x sogar 20km an einem Tag) und mindestens 500km mit der Metro gefahren. Trotzdem haben wir uns immer wieder kleine Auszeiten gegönnt und Kaffees, Bars und Restaurants erkundet. In dieser Woche habe ich

Eher: Ich "mag" Moskau
Eher: Ich „mag“ Moskau

Moskau zwar nicht lieben, doch wirklich schätzen gelernt. Neben den Kultur gibt es Oasen der Ruhe und Interaktion. Moskau ist sicher eine Stadt, die einen Besuch wert ist! Direkt bei mir ums Eck ist der angesagte Schickeria-Treffpunkt: Fette Autos und viele junge Frauen, die bereits ein komplettes Make-over hinter sich haben. Die Preise sind etwas unter Münchner Niveau und die Küche wirklich ausgezeichnet.

Zum Start haben wir uns vom Gorki Park aus eine kleine Bootsfahrt über die Moskwa gegönnt (hier angeln sogar noch welche), die tolle Perspektiven auf den Kreml bietet.

Der Gorki Park ist mitnichten der dunkle Park in dem Spione abgemurkst werden. Hier herrscht ein fröhlichen Treiben wie im englischen Garten, nur vielleicht 3x so groß. Es gibt super bequeme Liegen, Raum für Action, Kultur und natürlich essen und trinken bis der Arzt kommt – wirklich toll. Bei Essen und Trinken haben wir immer lokale Sachen ausprobiert und wurden nie enttäuscht: alles super lecker! Auch ein frisch gezapfter Kwas ist wirklich empfehlenswert.

Der zweite geniale Park heißt Kolomenskoje und bietet neben dem wiederaufgebauten alten Kreml aus Holz und weiteren historischen Gebäuden auch ein Unesco Weltkulturerbe. Daneben gibt es wieder alle Unterhaltungs- und Entspannungsmöglichkeiten, die man sich nur wünschen kann, auf einer Fläche 5x so groß wie der Englische Garten.

Ein Highlight war der Besuch vom Lawra-Kloster Sergijew Possad am Ostersonntag. Es liegt da. 70 km außerhalb von Moskau und ist in seiner Bedeutung mit dem Vatikan vergleichbar. Natürlich fluteten

Die Klosteranlage
Die Klosteranlage

Scharen von Gläubigen ins Kloster und wir haben ihnen das meiste einfach nachgemacht:

  • geweihte süße Osterspeisen gegessen
  • eine Flasche heiliges Wasser abgefüllt und getrunken (Wunder ist noch keines passiert)

Doch in die langen Schlangen zu den Ikonen haben wir uns nicht eingereiht. Dafür habe ich mit eine Matrojschka (sie wurden hier „erfunden“) gekauft, die klein ist und zu mir paßt.

Meine Matrojschka
Meine Matrojschka

Da das alles noch nicht genug war, sind wir auf dem Rückweg noch mitten im Nirgendwo aus dem Zug ausgestiegen und durch den Wald zur Künstlerkolonie Abramowitsch gelaufen. Hier haben einige der Künstler gelebt und gearbeitet, die ich bereits aus der Tretjakow Galerie kannte.

Unter der Woche haben wir uns noch den Sitz des Patriarchen (= russischer Pabst) im Danilow-Kloster angeschaut. Ist aber nicht im Ansatz mit dem Vatikan vergleichbar: ziemlich klein, häßlich, neu und selbst Jesus schaut genervt.

Dagegen war das Neujungfrauenkloster viel heimeliger. Hier wurden früher gerne aufmüpfige adelige Frauen eingesperrt, auch eine Schwester Peter des Großen – Sophia.

Direkt daneben ist der dazugehörige Friedhof, wo viele bekannte Künstler und Politiker beerdigt sind, zum Beispiel Gogol, Tschechow, Bolgakow, Chruschow, Jelzin, Tupolev, Prokofief. Die Atmosphäre ist sehr besinnlich, die Anlage leicht verwildert und charmant.

Das absolute Gegenteil dazu bilden die Vorbereitungen für den 09.05 – der Sieg über Deutschland. Überall wehen Fahnen, werden Public-Parade-Viewing-Bildschirme aufgestellt und auf den LED-bespielten Wänden der Hochhäuser ist die riesige ewige Flamme

Panzer zum anfassen nah

zu sehen. Zu Übungszwecken fahren dazu riesige Konvois mit Panzern bis hin zu Atomraketen an mehreren Tagen in die Innenstadt und nachts um 1 Uhr wieder raus.

Dann sind weite Teile für den Verkehr gesperrt und es herrscht ein tierischen Gedränge. Dazu fliegen noch die Stars der Luftwaffe ihre Runden. Bis auf das Gedränge ist es wirklich mal angenehm ohne den ohrenbetäubenden Lärm der Autos und man genießt völlig neue Sichten von den leeren Boulevards.

Witzig war noch der Besuch im berühmten Gourmet-Tempel Jelissejew. Beim ehemaligen Hoflieferanten gibt es auch viele deutsche Produkte, nur leider zur Parade keine Alkohol. Daher mussten wir unser Met am nächsten Tag kaufen.

Zum Schluss noch ein paar Schnappschüsse aus dem Museon, einem Park für Denkmäler.

Das ist der Bahnhof, wo ich am Samstag losfahre…

Jaroslawer Bahnhof - Start der Transsib
Jaroslawer Bahnhof – Start der Transsib

Moskau – Zwischenbilanz

Zuckerbäckerbauten bei Nacht
Zuckerbäckerbauten bei Nacht

Die Hälfte meiner Zeit in Moskau ist bereits rum und es kehrt so etwas wie Alltag ein. Sowohl in der Sprache, als auch in der Stadt fühle ich mich immer sicherer und heimischer.

Wochenmarkt
Wochenmarkt

Diese Woche habe ich einen Wochenmarkt und die Christi-Erlöser-Kathedrale besucht. Nachdem sie Stalin einst sprengen ließ, ist sie nach dem Wiederaufbau eine der wichtigsten Kirchen Russlands geworden.

Überhaupt begegnet einem Stalin hier auf Schritt und Tritt. Die sieben Zuckerbäckerbauten prägen das Stadtbild und man kann förmlich den Terror noch spüren. Überhaupt weht ein Odem der Macht durch Moskau, wie ich ihn noch in keiner Stadt bisher erlebt habe.

Absolute Highlights waren das wunderschöne Jugenstilhaus von Maxim Gorki und die Tretjakow-Galerie.

Hier sind die Werke der wichtigsten russischen Künstler zu bestaunen. Ich hatte vorher noch von keinem einzigen gehört, doch neben viel Mittelmaß haben mich einige Bilder aufs tiefste bewegt.

Zum Schluß noch ein paar Schnappschüsse aus dem Alltag…

Moskau – Und der nächste Streich folgt sogleich…

Pelzmützen en masse
Pelzmützen en masse

Heute war Floh- und Antikmarkt am Ismailower Kreml. Unzählige Einheimische und Touristen durchwühlen alles vom Ramsch bis zum Unikat.

Er und der Bär
Er und der Bär

Interessant sind die Waffen und Munition, die man an jeder Ecke kaufen kann. Auch das breite Angebot an Fellen von Wildtieren hat mich schwer beeindruckt. Ein paar Mal gab es sogar Schnitzereien aus Mammutzahn. Die eine oder andere Holzschnitzerei hätte ich schon erworben, leider ist in meinem Koffer nicht ein Kubikmillimeter mehr Platz. Zum Schluß gab es frisches Schaschlik. Das beste ist aber, daß hier Sonnenschein und 15° sind, während es in München schneit – wer hätte das gedacht.

Jede Metrostation ist in Moskau ein Kunstwerk. Zwei Beispiele hier und jetzt:

Noch ein paar Impressionen von einem kleinen Ostermarkt am Kreml und einige Kuriositäten.

Moskau – Es geht weiter….

Der russische Bär und ich im Wodkamuseum
Der russische Bär und ich im Wodkamuseum

Natürlich habe ich mich zwischen all dem Lernen und dem Sightseeing gefragt, was ich hier eigentlich tue – besonders abends, wenn ich mutterseelenallein in meiner Kemenate verschnaufe. Zwischen kurzfristig auftretenden Panikattaken ist vor allen Dingen ein Gefühl ganz präsent: Dankbarkeit.

Ich bin unheimlich dankbar, daß ich die Möglichkeit habe eine neue Sprache und so viel Neues zu erleben; daß es liebe Menschen in meinem Leben gibt, die Anteil nehmen und ich mich nie wirklich einsam fühle; daß ich hier in Moskau weiter mit meiner Literaturagentin an meinem Manuskript für die Verlage arbeite.

Viel Zeit verbringe ich ja in der Sprachschule. Alles nette und besondere Menschen, die meisten aber zwölfjährig. Nächste Woche gibt es Frischfleisch, mal schauen was da an potentiellen Seelenverwandten aufschlägt. Ganz oft fragen mit Russen hier nach dem Weg. Mein Erklärung war bisher, daß ich so unglaublich slawisch und kompetent aussehe. Die Analyse meiner Lehrerin Anastasia (mit dem dicksten Zopf auf der ganzen Welt) war etwas ernüchternd. Bei einer Frau in meinem Alter muss ich einfach eine Einheimische sein, Touristen sind ausschließlich junge Menschen. Na, wenigsten werde ich als russische Babuschka nicht ausgeraubt.

Zu den Touriaktivitäten:

Mit der Gruppe waren wir im Ismailowo Kreml im Wodka Museum. So eine Art runtergekommenes russisches Disneyland für Arme. Wir hatten aber eine eine nette Führung und habe einiges gelernt. Alle naselang war Alkohol komplett verboten, zuletzt unter Gorbatschow.

Im Tschechow Museum war ich allein, ganz allein: nur ich und eine Aufseherin pro Raum, so konnte ich ausgiebig in Originalausgaben stöbern.

Das Puschkin Museum hat mich nicht so überzeugt. Witzig war die Sonderausstellung über Kranach, das meiste Leihgaben aus Deutschland und der Eremitage – gut, daß mir das hier in Moskau nochmal anschaue.

Lucas Kranach im Puschkin Museum
Lucas Kranach im Puschkin Museum

Heute war der Kreml dran: wow. Fast erwartet man, daß jeden Augenblick Putin um die Ecke kommt (ist er aber nicht). Beeindruckende Anlage, besonders die Waffenkammer mit der historischen Sammlung. Obwohl nicht erlaubt, habe ich die Transsibirische Eisenbahn aus einem Fabergé Ei mit zitternden Händen fotografiert.

Highlight war für mich die Basilius Kathedrale, von innen und außen eine Augenweide und natürlich der rote Platz – gigantisch.

Das schönste Kaufhaus der Welt ist ab heute das Gum: wunderschön und abgefahren; natürlich BMW mittendrin.