Moskau – Der Anfang

Am Anfang gab es drei Überraschungen:

  1. Ich dachte ich fliege mit Air Berlin
  2. Ich komme nicht lebendig mitten in der Nacht an
  3. Ich bekomme einen passenden Sprachkurs zu meinem Level

Pustekuchen… Ich habe vorher noch nie von Siberian Airlines gehört, aber alles lief glatt. Bis auf kleine Panikattaken kam ich auch wohlbehalten um 23.30 Uhr in meinem Apartment an. Nicht überrascht hat mich die ausgefeilte Heizung (nur volle Pulle, Wärmeregulierung durch Öffnung der Fenster), das Multimediaangebot, die Haustechnik und der Balkon.

Absolut super ist die Nähe zum Kreml, der Füßgängerzone und der Metro. Zur Schule gehe ich jedoch inzwischen zu Fuß, da ich sonst unter Bewegungsmangel leiden würde.

Leider hatte ich bisher noch wenig Gelegenheit etwas von Moskau zu sehen, da ich entweder 5 oder 7 Stunden in der Schule sitze (+ Hausaufgaben). Es gibt nur einen fortgeschritten Kurs und ich muss sehr brav lernen. Vor allen anderen bekomme ich noch morgens eine Stunde Einzelunterricht. Inzwischen habe ich mich häuslich eingerichtet.

Moskau ist ein Moloch! Keine feine hübsche Dame wie Petersburg, sondern eher ein verwelktes Freudenmädchen – zu laut, zu grell geschminkt. Trotzdem auf eine morbide Weise einladend und überschwänglich. Alles ist Zuviel: zu schön, zu häßlich, zu verfallen, zu abgefahren. Bin gespannt, was mir noch begegnen wird. Hier noch ein paar Impressionen:

Olgas Delight

Frauen unter dem Doppeladler

Selbstverständlich fand dieses Jahr der Geburtstag/Abschiedfeier und der Motto „Russland“ statt. Die Gäste waren nicht schlecht erstaunt als ihnen Olga in der weiblichen russischen Nationaltracht (Gürtel, Tanktop, Higheels) die Tür öffnete.

Olga wurde jedoch trotz ihres fragwürdigen Aussehens ihren Aufgaben als Gastgeberin voll gerecht. Im russischen Ambiete (Nationalfarben, Volksmusik) wurde aufgetischt, was die russische Küche hergibt – Borschtsch, Piroggen, Pelmeni, Blinis,  Zupfkuchen, Quarktaschen – bis sich der Tisch biegt. Das meiste wurde gerne und gut gegessen. Leider hielt sich die Begeisterung für die Getränke doch in sehr engen Grenzen: bis auf das Bier, konnte nichts wirklich überzeugen. Der Wein konnte nicht mit europäischen mithalten, Kwas wurde kategorisch abgelehnt und die Baikal-Limonade roch wie parfümiertes Badewasser. Auch der rote Krimsekt war vor allen Dingen eines – rot.

Die Stimmung war trotzdem ausgelassen und erreichte Ihre Höhepunkt als der Reiserucksack (mit Geburtstagsspenden finanziert) inspiziert wurde. Osprey Rucksack 80l - zum ziehen und schleppenEinige fanden ihn super leicht, andere super schwer, Zentrum der Tipps und Tricks waren die Anzahl der Unterhosen, Schlafsack zur Wanzenabwehr, die richtige Abendgarderobe und das fehlende Pfefferspray. Ab 23 Uhr verließen die ersten Gäste mit prämierungswürdigen Erklärungen die Feier – „ich bin noch völlig erschöpft vom shoppen“. Punkt 0.00 Uhr verließen auch die letzten Cinderellas den Ball und Olga schrubbt und putzt als letzte Aschenputtel noch bis 3 Uhr.

Boba – mein treuer Wegbegleiter

Mein treuer Weggefährte in allen Lebenslagen
Mein treuer Weggefährte in allen Lebenslagen

Das Schnabeltier ist ja bekanntlich des Menschen bester Freund. Ich schätze Boba besonders wegen seiner vielen guten Charaktereigenschaften – Ausgeglichenheit in allen Lebenslagen, einnehmendes Wesen, attraktives Äußeres.

Dazu ist er noch super kompakt und gibt wenig Widerworte…

Sein Name ist übrigens die Koseform von Waldimir und wird Wowa ausgesprochen. Abgesehen von seiner Gesellschaft, wird er mir immer mal wieder als Fotomodell vor Sehenswürdigkeiten dienen, falls z.B. mal meine Frisur nicht perfekt sitzen sollte. Ansonsten ist er meiner Seele als lebendes Fossil sehr nah und gemahnt mich als eierlegendes Säugetier an die Wunder des Lebens. Als eines der wenigen giftigen Säugetiere kann er in Gefahrensituationen mein starker Beschützer sein.

Sankt Petersburg

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Meine Reise nach St. Petersburg liegt zwar schon ein Dreivierteljahr zurück, trotzdem bildet sie den Auftakt zu meinem kleinen Abenteuer. Denn diese Stadt hat mich voll und ganz davon überzeugt, dass Russland ein sehenswerter Ort auf diesem Planeten ist und russisch lernen, schwer, aber nicht unmöglich ist.

EremitagePetersburg ist eine der schönsten Städte der Welt, vergleichbar mit Paris: Die wunderbaren alten Gemäuer, die frische Seeluft und der prächtige Fluss Newa bleiben unvergesslich. Eine Fahrt mit dem Schiff über die Meeresenge zum Peterhof ist ein Traum, der Peterhof selbst nur mit Versailles vergleichbar. Jeder einigermaßen kulturbegeisterte Mensch kommt hier voll auf seine Kosten, ich sage nur – Eremitage, ein Juwel.

Oder die Originalwohnung von Fjodor Dostojewski. Undundundund. Das echte, pralle Leben kann man auf den hiesigen Märkten, beim Open-Air-Salsa-Tanz an den Leuchttürmen oder bei nächtlichen Saufgelagen erkunden, prollige Russen mit hübschen Damen in Gürteln inklusive.

Gedenktafel am Haus, in dessen Apartment Dostojewksi gelebt hat.
Gedenktafel am Haus, in dessen Apartment Dostojewksi gelebt hat.

Ich selbst hatte gleich in dreifacher Hinsicht Glück. Meine Wohnung über AirBnb im Stadtzentrum mit Blick auf die Peterburg und Newa einfach nur geil, meine Kommilitonen an der Sprachschule ein interessanter Haufen mit denen man echt Spaß haben konnte (neues Zauberwort: Milf) und der Besuch von Agustina, mit der ich gemeinsam stressbefreit die schönsten Sachen erlebt habe. Leider waren wir meistens von unseren ganztätigen Ausflügen so erschöpft, dass wir abends nur sehr zivil unterwegs waren.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Ohne Russisch geht nicht viel (man sollte sich vorher zumindest mal das kyrillische Alphabet angeschaut haben), Service ist gefühlt wie in der DDR, die Menschen sind entweder super hilfsbereit oder mega unfreundlich – dazwischen gibt es nichts! Erschreckend ist auch immer wieder die deutsche Geschichte vor Ort. Da die Wehrmacht alles in Grund und Boden gebombt hatte und daher alles in Trümmern lag, wurde das meiste in mühevoller Kleinarbeit restauriert. Das dokumentieren immer Bilder mit Schutthaufen, zwischen denen deutsche Soldaten fröhlich grinsen – nicht schön. Umso mehr begeistert die neue Pracht, ich sage nur Bernsteinzimmer im Katharinenpalast (immerhin eine Deutsche), ein Geschenk vom Preußenkönig. Etwas Vergleichbares gibt es nicht auf der Welt!

Witzig sind dagegen die Anzeigen auf dem Straßenpflaster, so etwas habe ich vorher noch nicht gesehen.

Mein persönliches Highlight war der getrocknete Fisch, von dem ich mich praktisch ausschließlich ernährt habe und mich an glückliche Kindertage in Schweden erinnert hat. Ich glaube, Agustina muss heute noch spucken, wenn sie daran denkt.

Hier noch einige interessante Eindrücke:

Die weißen Nächte von Sankt Peterburg

Noch ein paar witzige filmische Highlights: